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Unit-of-Risk und Risikobudget

Die Frage ist nicht, wie viel Rendite herauskam, sondern wie viel Risiko dafür vorher zugesagt worden war.

Kernidee

Ein Risikobudget ist die im Voraus festgelegte Menge an Risiko, die eine Strategie oder ein Portfolio eingehen darf — ausgedrückt als Zielvolatilität, maximaler Drawdown oder Kapitaleinsatz pro Position. Die Unit-of-Risk-Betrachtung setzt die erzielte Rendite ins Verhältnis zu diesem Budget.

Der Unterschied zu den üblichen Kennzahlen ist der Zeitpunkt der Festlegung, nicht die Rechenoperation.

Ex ante gegen ex post

john_netto formuliert den Einwand am schärfsten: Sharpe Ratio, Sortino Ratio und Standardabweichungsanalysen sind ex post — sie setzen realisierte Rendite ins Verhältnis zu realisierter Volatilität. Beide Größen stehen erst hinterher fest. Damit beschreiben sie, was passiert ist, und liefern keine Aussage darüber, ob der Prozess funktioniert hat.

Ein vorab gesetztes Budget dreht das um: Es ist eine Zusage, gegen die gemessen wird. Netto vergleicht es mit einem Spielplan im Voraus statt mit einem neuen Vokabular zur Beschreibung des bereits Geschehenen.

Praktisch folgt daraus die für Allokatoren wichtigste Konsequenz: Ohne Kenntnis der Budgetgröße ist eine risikoadjustierte Renditezahl nicht interpretierbar. Zwei Manager mit identischer Sharpe Ratio können völlig verschiedene Risikoversprechen gegeben haben.

Warum das mehr ist als Buchhaltung

  • Es macht Disziplinbrüche sichtbar. Ein Gewinn, der mit dem Dreifachen des zugesagten Risikos erzielt wurde, ist kein Erfolg, sondern eine Abweichung, die zufällig gut ausging.
  • Es trennt Können von Hebel. Rendite lässt sich durch Hebel beliebig skalieren. Rendite pro Risikoeinheit nicht.
  • Es macht Strategien vergleichbar, die auf verschiedenen Instrumenten und Zeitrahmen arbeiten — dieselbe Funktion, die volatilitaet auf Positionsebene erfüllt.
  • Es liefert eine Abbruchbedingung. Ein aufgebrauchtes Budget ist ein definierter Zustand, kein Ermessen. Siehe trading_plan.

Die Verbindung zu Carver

robert_carver kommt aus der systematischen Richtung zum selben Prinzip: Positionsgrößen gehören in Risikoeinheiten bemessen, nicht in Stückzahlen; die Zielgröße ist eine annualisierte Volatilität, die Stückzahl folgt daraus. Netto verallgemeinert das von der Position auf den gesamten Prozess.

Der gemeinsame Kern beider: Risiko ist die Eingangsgröße, nicht das Ergebnis.

Abgrenzung

  • Kein Ersatz für einen Vorteil. Ein sauber eingehaltenes Budget ohne Edge produziert diszipliniert Verluste.
  • Nicht dasselbe wie ein Stop-Loss. Der Stop begrenzt eine Position, das Budget den Prozess.
  • Die konkrete Umsetzung bei Netto ist proprietär. Die „Netto Number" wird im Buch nicht so offengelegt, dass sie nachrechenbar wäre — das Prinzip ist übertragbar, die Kennzahl nicht überprüfbar.