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Trend Following Prinzip

Systematische Handelsstrategie, die Preisbewegungen folgt ohne Prognosen — Einstieg wenn ein Trend bestätigt ist, Ausstieg wenn er dreht. Edge entsteht durch positive Skewness: viele kleine Verluste, wenige sehr große Gewinne.

Warum Trend Following funktioniert

Märkte sind nicht effizient, aber auch nicht vorhersagbar. Trend Following beruht auf keiner fundamentalen Prognose. Es nutzt stattdessen strukturelle Ineffizienzen:

  • Zentral- und Geschäftsbanken handeln aus regulatorischen oder bilanziellen Gründen (Hedging, Window Dressing) — nicht zur Renditeoptimierung. Das erzeugt exploitable trends.
  • Retail- und institutionelle Investoren reagieren verspätet auf Information — Nachrichtenzyklus erzeugt Momentum.
  • Behavioral Finance: Verlustaversion (Prospect Theory) lässt Verlierer-Positionen zu lange laufen und Gewinner zu früh schließen — genau das Gegenteil von Trend Following.

Statistischer Mechanismus: Trend Following produziert eine nicht-normalverteilte Return-Verteilung mit positiver Skewness. Die Edge liegt in den Fat Tails der Gewinnverteilung — nicht in der durchschnittlichen Trade-Performance. Jerry Parker (Chesapeake Capital): „We are targeting those fat tails of our non-normally distributed world."

Fünf Fragen für ein Trend-Following-System

López de Prado würde sagen: Jeder Backtest braucht eine vollständige Systembeschreibung. Covel formuliert das als fünf Pflichtfragen:

  1. Marktselektion: Welche Märkte trade ich? (Diversifikation über Asset-Klassen = Bonds, Currencies, Commodities, Equities)
  2. Positionsgröße: Wie viel kaufe/verkaufe ich? (Bill Dunn: Position Size = f(Volatilität), mehr wenn weniger volatil, weniger wenn mehr volatil)
  3. Entry-Timing: Wann steige ich ein? (Trendbestätigung: Preis über/unter Moving Average, Breakout, etc. — kein Prognose-Modell)
  4. Exit-Loss: Wann schließe ich eine verlierende Position? (Stop-Loss = vorher definierter Wert, nicht nachträglich angepasst)
  5. Exit-Win: Wann schließe ich eine gewinnende Position? (Trailing Stop oder Trendbruch — nie Profit-Target, weil Outlier-Gewinne nicht vorzeitig abgeschnitten werden dürfen)

Drawdowns als Systemmerkmal, nicht als Versagen

Trend Following produziert regelmäßige Drawdowns in Range-Bound Märkten. Das ist kein Fehler, sondern der Preis für den Outlier-Edge. John W. Henry: „Having been through these drawdowns before, we know that they do not signal that something is necessarily wrong with the future."

Konsequenz für Psychologie: Nur wer Drawdowns akzeptiert und das System beibehält, realisiert die Fat-Tail-Gewinne. Wer bei Drawdowns kapituliert, zahlt die Verluste, erntet aber nicht die Gewinne.

Preis als einzige Variable

Trend Follower ignorieren Fundamentaldaten, Nachrichten, Analystenurteile. „The only truth is price action." Der Preis ist die einzige zuverlässige Information — er enthält bereits alle Meinungen, Prognosen und Kapitalflüsse aller Marktteilnehmer.

Konsequenz: Trend Following ist anti-narrativ. Es braucht keine Geschichte, warum ein Markt steigt oder fällt — nur den Beweis, dass er es tut.

Verhältnis zu anderen Konzepten

Trend Following ist das Gegenstück zu Mean Reversion (Chan: kelly_kriterium). Beide Strategietypen sind regime_change_risiko-abhängig: Trend Following scheitert in Range-Bound Märkten, Mean Reversion in Trend-Märkten.

Positive Skewness verbindet Trend Following epistemologisch mit Taleb's barbell_strategie: In beiden Ansätzen hat man viele kleine Verluste und seltene, sehr große Gewinne. Taleb und Trend Follower sind strukturell verwandt — beide sind Long auf Fat Tails.