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Source: Trend Following

Covel, Michael. Trend Following: How Great Traders Make Millions in Up or Down Markets. FT Prentice Hall, 2004. — Definitive Chronik der Trend-Following-Strategie: Trader-Profile (Bill Dunn, JWH, Ed Seykota, Campbell), Performance-Daten, Philosophie-Fundament und praktisches System-Framework.

Einordnung

Kein technisches Buch wie Chan oder López de Prado — Covels Stärke ist die empirische Evidenz und Trader-Psychologie. Er macht das Argument durch 30 Jahre Performance-Daten, nicht durch Mathematik. Für den Fondsaufbau relevant als: (1) Philosophische Grundlage für systematisches Trend Following, (2) Psychologisches Rüstzeug für Drawdown-Phasen, (3) Practitioner-Rahmen (Fünf Fragen) für Systemkonstruktion.

Key Takeaways

1. Positive Skewness als Edge — Trend Following produziert keine normalverteilten Returns. Der Edge liegt in Fat Tails: viele kleine Verluste, seltene sehr große Gewinne. Jerry Parker (Chesapeake Capital): Das ist das Gegenteil von Mean Reversion (frequent wins, occasional large loss). Alignment mit Taleb: TF ist strukturell Long auf positive Black Swans.

2. Preis als einzige Variable — Trend Follower ignorieren alle Fundamentaldaten. Preis ist die komprimierte Meinung aller Marktteilnehmer — keine zusätzliche Information aus Nachrichten oder Analyse. Operative Konsequenz: System läuft vollständig regelbasiert ohne menschliche Urteilsübersteuerung.

3. Drawdowns als Systemmerkmal — Regelmäßige Drawdowns in Range-Bound-Märkten sind unvermeidlich. Das System darf in diesen Phasen nicht geändert werden. JWH: „Drawdowns do not signal that something is necessarily wrong with the future." Psychologie = entscheidend: Kapitulation bei Drawdown bedeutet Verlust ohne den anschließenden Outlier-Gewinn.

4. Die Fünf Fragen — Vollständige Systemdefinition erfordert Antworten auf: Marktselektion, Positionsgröße, Entry-Timing, Verlust-Exit, Gewinn-Exit. Kein System ist vollständig, das eine Frage offen lässt.

5. Risk Budgeting über Märkte — Bill Dunn: Position Size = f(Volatilität). Volatile Märkte bekommen kleinere Positionen, ruhige Märkte größere — konstanter Risk-Betrag pro Trade unabhängig vom Markt. Das ist ATR-basiertes Sizing (Average True Range als Volatilitätsmaß).

6. Diversifikation über Asset-Klassen — Trend Following funktioniert am besten über Bonds, Currencies, Commodities und Equities gleichzeitig. Einzelne Märkte können Monate ohne Trend verbringen — breite Diversifikation sichert, dass immer irgendwo ein Trend läuft.

Verbindung zu Johanns System

Trend Following ist die dritte Strategie-Klasse nach Global Macro (O'Shea) und Quant-Systematik (Narang, Chan). Für den Fondsaufbau: TF-Komponente als Hedge gegen diskretionäre Positionen — wenn kein klares Narrativ (O'Shea), folgt man dem Preis-Trend. Risk Budgeting (Frage 2) ist ATR-basiertes Sizing, direkt kombinierbar mit Kelly (Chan) in der Allokation. Die Fünf Fragen sind ein nützlicher Checklisten-Standard vor dem Backtest.