Market Impact¶
Der eigene Handel bewegt den Preis gegen einen. Das ist keine Reibung — das ist die Hauptkostenposition jeder größeren Position.
Kernidee¶
Market Impact ist die Preisbewegung, die eine Order selbst verursacht. Wer kauft, nimmt Angebot vom Markt; ist die eigene Order groß gegenüber der verfügbaren Gegenseite, muss man sich durch das Orderbuch nach oben arbeiten.
Damit ist Impact keine Nebensache, sondern für institutionelle Größen die dominierende Kostenart — größer als Provisionen und Spread zusammen. Er ist zugleich der Grund, warum ein Backtest, der Ausführungen zum Schlusskurs unterstellt, systematisch zu gute Ergebnisse liefert.
Die zwei Bestandteile¶
- Temporärer Impact — die unmittelbare Preisbewegung während der Ausführung, die sich danach teilweise zurückbildet. Er hängt an der Handelsgeschwindigkeit.
- Permanenter Impact — der Teil, der bleibt, weil der Markt aus dem Handel Information ableitet. Er hängt an der Gesamtgröße.
Die Unterscheidung ist folgenreich: Langsameres Handeln reduziert den temporären Anteil, nicht den permanenten.
Der Zielkonflikt¶
Daraus folgt die zentrale Abwägung jeder Ausführung, die olivier_gueant über Almgren-Chriss formalisiert:
| Schnell ausführen | Langsam ausführen | |
|---|---|---|
| Market Impact | hoch | niedrig |
| Preisrisiko | niedrig | hoch |
Erst als Almgren und Chriss 1999 beides zusammen modellierten, wurde die Ausführungsgeschwindigkeit zur Entscheidungsvariablen — vorher liefen die Optimierungen auf gleichmäßiges Aufteilen hinaus, weil nur der Impact zählte. Siehe execution_optimierung.
Warum es niemand sauber messen kann¶
Das ungelöste Problem hinter allem: Impact-Modelle müssen kalibriert werden, und die Kalibrierung ist selbst schwierig. Man beobachtet nur den realisierten Preisverlauf — nicht den kontrafaktischen, der ohne die eigene Order eingetreten wäre. Jede Impact-Schätzung ist deshalb modellabhängig.
Sowohl 2026-07-28_gueant_financial_mathematics_market_liquidity als auch 2026-07-28_johnson_algorithmic_trading_dma behandeln das und lösen es nicht.
Was daraus für kleinere Marktteilnehmer folgt¶
- Bei kleinen Größen in liquiden Märkten ist Impact vernachlässigbar — dort dominieren Spread und Provision.
- Die Grenze verläuft nicht am Kapital, sondern am Verhältnis von Ordergröße zu durchschnittlichem Volumen. Wer eine Nebenwerte-Position aufbaut, kann mit kleinem Konto erheblichen Impact erzeugen.
- Backtests auf illiquiden Instrumenten sind ohne Impact-Annahme wertlos. Genau dort sehen Strategien im Test am besten aus. Siehe system_testing_overfitting.
- Kapazität ist Teil des Edge. Ein Vorteil, der bei Größe verschwindet, ist ein kleiner Vorteil. Siehe aktiv_passiv_kostenarithmetik_synthese.
Abgrenzung¶
- Nicht dasselbe wie Slippage. Slippage ist die realisierte Abweichung vom erwarteten Preis aus allen Ursachen; Impact ist der selbstverschuldete Anteil.
- Nicht dasselbe wie Spread. Der Spread fällt auch bei winziger Ordergröße an.
- Kein Marktversagen. Impact ist der Preis dafür, dass jemand anders die Gegenseite einnimmt und dafür Risiko trägt. Siehe larry_harris.
Links¶
- execution_optimierung — der übergeordnete Rahmen
- olivier_gueant · barry_johnson · larry_harris — die drei Behandlungen
- orderfluss_ungleichgewicht — die Ursache
- transaktionskosten_modell — die Kostenrechnung
- dark_pools — die Infrastruktur zur Impact-Vermeidung
- marktstruktur_mikrostruktur — Topic