Execution-Optimierung¶
Ausführung ist ein Optimierungsproblem zwischen Marktimpact, Timing Risk, Liquidität und Venue-Wahl.
Kernidee¶
Execution ist nicht einfach das Abschicken einer Order, sondern die fortlaufende Abwägung von Schnelligkeit, Sichtbarkeit, Preisverbesserung und Marktreaktion. Gute Ausführung reduziert nicht nur Kosten, sondern schützt auch den eigentlichen Edge.
Operativer Nutzen¶
- Impact und Timing Risk als gegensätzliche Kräfte modellieren.
- Orderbuch, Tick Size und Fragmentierung aktiv in Routing-Logik einbeziehen.
- Transaction Cost Analysis als Pflicht und nicht als Nachbericht behandeln.
Der Zielkonflikt¶
Jede große Order steht vor derselben Abwägung:
- Schnell ausführen erzeugt Market Impact — der eigene Handel treibt den Preis gegen einen.
- Langsam ausführen erzeugt Preisrisiko — der Markt bewegt sich während der Ausführung ohnehin.
olivier_gueant zeichnet nach, dass erst Almgren und Chriss 1999 beides zusammen modellierten. Vorher lief die Optimierung auf gleichmäßiges Aufteilen bei konstanter Geschwindigkeit hinaus, weil nur der Impact zählte. Erst mit dem Preisrisiko wird die Ausführungsgeschwindigkeit zur Entscheidungsvariablen — und sie hängt von der Risikoaversion ab.
Wichtige Unterscheidung: Preisrisiko wiegt für Intermediäre wie Broker sehr viel schwerer als für Fondsmanager, die im Haus ausführen. Wer welchen Zielkonflikt hat, hängt davon ab, wem das Risiko gehört.
Die Algorithmenfamilien¶
barry_johnson ordnet die Angebote danach, wogegen sie optimieren:
| Familie | Vertreter | Optimiert gegen |
|---|---|---|
| Impact-getrieben | TWAP, VWAP, POV, Minimal Impact | einen Durchschnittspreis |
| Kosten-getrieben | Implementation Shortfall, Adaptive Shortfall, Market Close | den Entscheidungspreis |
| Opportunistisch | Price Inline, liquiditätsgetrieben, Paarhandel | verfügbare Gelegenheiten |
Der Unterschied zwischen den ersten beiden Familien ist der wichtigste: VWAP misst gegen den Marktdurchschnitt, Implementation Shortfall gegen den Preis zum Zeitpunkt der Entscheidung. Nur Letzteres entspricht dem, was den Auftraggeber tatsächlich kostet — dafür ist es Marktbewegungen schutzlos ausgesetzt.
Wer einen Algorithmus wählt, entscheidet damit, welchen Fehler er in Kauf nimmt.
Innerhalb der impact-getriebenen Familie ist der Unterschied ebenfalls folgenreich: TWAP und VWAP folgen einem vorbestimmten Zeitplan, POV einem dynamischen — es beteiligt sich am tatsächlich laufenden Volumen mit einer festen Quote.
Links¶
- charles_albert_lehalle, sophie_laruelle — Autoren
- 2026-05-11_lehalle_laruelle_market_microstructure_practice — Quelle
- marktstruktur_mikrostruktur — Topic
- quantitative_finance — Topic
- barry_johnson — die Algorithmen-Taxonomie
- olivier_gueant — die mathematische Lösung
- orderfluss_ungleichgewicht — warum Ausführung Preise bewegt
- transaktionskosten_modell — die Kostenseite