Covered Call¶
Die Einstiegsstrategie der Optionswelt — und die am gründlichsten missverstandene.
Kernidee¶
Ein Covered Call kombiniert eine bestehende Aktienposition mit dem Verkauf einer Kaufoption darauf. Der Verkäufer vereinnahmt die Prämie und verpflichtet sich, die Aktien zum Ausübungspreis zu liefern, falls der Kurs darüber steigt.
Die übliche Beschreibung lautet „Zusatzeinkommen auf ein Depot". Das ist nicht falsch, verdeckt aber die eigentliche Struktur.
Was tatsächlich passiert¶
Ein Covered Call hat dasselbe Auszahlungsprofil wie ein verkaufter Put mit gleichem Ausübungspreis. Das ist keine Analogie, sondern folgt aus der Put-Call-Parität.
Daraus folgt die einzige wirklich wichtige Aussage über diese Strategie:
- Nach oben ist der Gewinn auf Ausübungspreis plus Prämie begrenzt.
- Nach unten ist das Verlustrisiko praktisch unbegrenzt, lediglich um die Prämie reduziert.
Es wird also ein begrenzter, sicherer Ertrag gegen einen unbegrenzten, unwahrscheinlichen Verlust getauscht. Wer das für konservativ hält, verwechselt die hohe Trefferquote mit einem günstigen Erwartungswert — dieselbe Verwechslung wie bei jeder Prämienverkaufsstrategie. Siehe optionspramien_verkauf und skewness_asymmetrie.
Wann er ökonomisch sinnvoll ist¶
Die tragfähige Begründung ist nicht „Einkommen", sondern die volatility_risk_premium: Implizite Volatilität liegt systematisch über der später realisierten, Optionen sind im Mittel zu teuer. Wer sie verkauft, vereinnahmt diesen Aufschlag als Entgelt für das Tragen von Absicherungsrisiko.
Konkret passt die Struktur, wenn:
- die Aktie ohnehin gehalten wird und ein Verkauf zum Ausübungspreis akzeptabel wäre — dann ist der Call eine bezahlte Limit-Order;
- die implizite Volatilität hoch gegenüber der eigenen Erwartung ist, also die Prämie das Risiko wirklich vergütet;
- die Marktsicht seitwärts bis leicht steigend ist.
Sie passt nicht, wenn man den Titel eigentlich für stark unterbewertet hält — dann verkauft man genau den Teil der Verteilung, wegen dem man investiert ist.
Praktische Fallstricke¶
- Ereignistermine. Prämien vor Quartalszahlen sind hoch, weil das Risiko hoch ist. Die hohe Prämie ist kein Geschenk, sondern der Preis.
- Dividendenstichtage. Amerikanische Calls können vorzeitig ausgeübt werden, wenn die Dividende den Zeitwert übersteigt.
- Steuerliche Wirkung. Eine ausgeübte Position löst einen Verkauf aus, den man sonst nicht getätigt hätte.
- Das Zurückkaufen nach Verlusten. „Rollen" verlängert die Position und verwandelt eine begrenzte Entscheidung schleichend in eine dauerhafte Verpflichtung.
Abgrenzung¶
- Kein Hedge. Die Prämie deckt einen kleinen Kursrückgang, kein Downside-Risiko. Wer absichern will, braucht einen Put.
- Nicht risikoarm, sondern anders verteilt. Das Risiko wird nicht reduziert, sondern umgeformt: höhere Trefferquote, gekappte Gewinne.
- Kein Ersatz für Positionsgrößenlogik. Siehe money_management.
Links¶
- optionspramien_verkauf — die Familie
- volatility_risk_premium — die ökonomische Begründung
- skewness_asymmetrie — die Verteilungsform
- greeks_als_steuerungswerkzeug · implied_volatility — die Steuergrößen
- iron_condor — die beidseitige Variante derselben Logik
- optionen_derivate — Topic