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Asset Allocation

Die Entscheidung, die über das Ergebnis bestimmt — und die am wenigsten Aufmerksamkeit bekommt.

Kernidee

Asset Allocation ist die Aufteilung des Kapitals auf Anlageklassen: Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Liquidität, Alternatives. Sie legt das Risikoprofil eines Portfolios fest, bevor ein einziger Einzeltitel ausgewählt wird.

charles_ellis formuliert die Konsequenz am schärfsten: Die Allokation ist wichtiger als die Selektion. Wer sich um die Titelauswahl kümmert und die Aufteilung nebenbei entstehen lässt, optimiert die kleinere Größe.

Die drei Ebenen

  • Strategisch — die langfristige Zielaufteilung, abgeleitet aus Horizont, Risikotragfähigkeit und Zweck des Kapitals. Ändert sich selten und aus persönlichen, nicht aus Marktgründen.
  • Taktisch — begrenzte Abweichungen von der Zielaufteilung nach Regime- oder Bewertungslage. Siehe business_cycle_taa.
  • Rebalancing — die Rückführung auf die Zielaufteilung. Der Teil, der wie Verwaltung aussieht und tatsächlich ein Renditebeitrag ist: Er verkauft mechanisch, was gestiegen ist, und kauft, was gefallen ist.

Warum die Aufteilung dominiert

Anlageklassen unterscheiden sich in Rendite und Risiko stärker, als Einzeltitel sich innerhalb einer Klasse unterscheiden. Eine Verschiebung von 60/40 auf 80/20 verändert das Risikoprofil eines Portfolios mehr als der Austausch der Hälfte aller Einzelwerte.

Hinzu kommt der Korrelationseffekt: Der Diversifikationsnutzen entsteht zwischen Klassen mit unterschiedlichem Verhalten, nicht durch die bloße Zahl der Positionen. Siehe diversifikation_heiliger_gral.

Der bekannteste Fehler

Korrelationen sind nicht stabil. Sie steigen genau dann, wenn Diversifikation gebraucht wird — in Stressphasen laufen zuvor unabhängige Anlagen gemeinsam nach unten. Eine Allokation, die im ruhigen Markt diversifiziert aussieht, ist es im Krisenfall womöglich nicht. Siehe crowded_trades_korrelationsbruch und gegenparteirisiko_liquiditaetsspirale.

Daraus folgt die praktische Regel: Diversifikation über Anlageklassen, die auf unterschiedliche ökonomische Zustände reagieren, ist belastbarer als Diversifikation über Titel, die nur historisch schwach korreliert waren.

Verbindung zur Risikoseite

Wer die Allokation in Risikoeinheiten statt in Kapitalanteilen denkt, kommt zu anderen Gewichten: Ein 60/40-Portfolio nach Kapital ist nach Risiko oft ein 90/10-Portfolio, weil Aktien deutlich volatiler sind. Das ist der Ausgangspunkt von Risk-Parity-Ansätzen und die Verbindung zu hierarchical_risk_parity, volatilitaet und unit_of_risk_risikobudget.

Abgrenzung

  • Nicht dasselbe wie Diversifikation. Diversifikation ist ein Effekt, Allokation eine Entscheidung.
  • Nicht dasselbe wie Selektion. Die Allokation legt fest, wie viel in eine Klasse geht; die Selektion, was darin liegt.
  • Keine Marktprognose. Die strategische Aufteilung folgt aus der eigenen Lage, nicht aus einer Meinung über das nächste Jahr.