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The Global Macro Edge

Autor: John Netto | Jahr: 2016 | Verlag: Dog Ear Publishing

Ein Makro-Handbuch, das seine These schon im Untertitel trägt: Nicht die Rendite ist die Zielgröße, sondern die Rendite pro Risikoeinheit — und zwar gemessen gegen ein vorab festgelegtes Budget, nicht gegen nachträglich beobachtete Volatilität. Ungewöhnlich ist die Bauform: 17 beitragende Autoren, darunter Raoul Pal, Joe DiNapoli, Neil Azous und Denise Shull, schreiben eigene Kapitel innerhalb von Nettos Rahmen.

Kernthesen

  • Ex-ante schlägt ex-post. Nettos zentraler Einwand gegen die üblichen Kennzahlen: „conventional methods […] simply look at returns on a nominal level or ex-post analysis that analyzes after-the-fact returns relative to after-the-fact volatility (i.e., the Sharpe Ratio, Sortino Ratio, standard deviation analysis)." Diese messen, was passiert ist. Ein vorab definiertes Risikobudget misst, ob man sein eigenes Versprechen gehalten hat.
  • Der Unterschied ist eine Verpflichtung, kein Vokabular. „The difference is tantamount to having a game plan in advance, a set rubric by which to measure success, a signal to others of expectations of success […] rather than just a new vocabulary to describe what has already happened and a continuing hope that the past will resemble the future."
  • Die Netto Number ist seine Kennzahl für Rendite pro Unit-of-Risk relativ zum vorab gesetzten Risikobudget: „a proprietary ratio I created to measure return per UoR, provides critical context that demonstrably alters how we assess an investment and can materially change how to evaluate investment skill."
  • Ohne Kenntnis der Budgetgröße ist risikoadjustierte Performance nicht beurteilbar. Netto führt genau darauf zurück, warum Allokatoren so häufig von realisierten Ergebnissen enttäuscht werden: Sie kennen die Bezugsgröße nicht, gegen die gemessen wurde.
  • Mehr Risiko heißt nicht mehr Rendite. Der Titel von Kapitel 4 (Jason Roney) ist zugleich die empirische Klammer des Buchs.
  • Regime zuerst, Strategie danach. Die Gliederung ist eine Ablauflogik: Phase I erkennt das Regime, Phase II wählt die Strategie, die dazu passt. Eine Strategie ohne Regimeaussage ist bei Netto unvollständig.

Methoden & Konzepte

  • Unit-of-Risk-Kennzahlen (Kap. 5) — eine ganze Familie, darunter der Regime Profitability Factor, der die erwartete Profitabilität einer Strategie nach Markt, Anlageklasse und Regime beziffert und in ein Dashboard einspeist.
  • UoR Strategy Grid — Oberfläche, die mehrere Strategien in einem Raster aggregiert und dynamisch aktualisiert.
  • Risikobudget als Konstruktionsprinzip (Kap. 20) — „the risk budget is the X Factor in the Netto Number". Das Portfolio wird um das Budget herum gebaut, nicht umgekehrt.
  • Regime-Erkennung über Konjunkturwendepunkte (Raoul Pal) und Kapitalflüsse (Fotis Papatheofanous).
  • Custom Indexes für Mikrothemen — Netto baut Bloomberg-Indizes für aktuelle Themen (etwa Franken-Schwäche gegen europäische Bankenstärke), um zu prüfen, ob ein Thema noch trägt.
  • Handel des Wirtschaftskalenders (Kap. 16) als eigene Disziplin statt als Störgröße.

Schlüsselzitate

„Having this ex-ante figure provides a dramatic advantage from most conventional methods."

„In order to understand what real risk-adjusted returns are, you will need to incorporate ex-ante analysis."

„The risk budget is the X Factor in the Netto Number, making it all possible."

Bewertung

Für wen: Wer diskretionär oder teilsystematisch Makro handelt und eine Antwort auf die Frage braucht, wie sich der eigene Prozess messen lässt, bevor die Ergebnisse da sind.

Stärken: Die ex-ante-Perspektive ist ein echter methodischer Beitrag — sie verschiebt die Bewertungsfrage von „was ist herausgekommen" zu „war das Ergebnis mit dem eingegangenen Risiko konsistent". Die Beitragskapitel decken ein ungewöhnlich breites Instrumentarium ab, von Optionen über Elliott-Wellen bis zu Spread-Konstruktionen.

Schwächen: Die Netto Number ist proprietär, und das Buch legt sie nicht so offen, dass sie nachgerechnet werden könnte — für eine Kennzahl, die als Alternative zur Sharpe Ratio angeboten wird, ist das ein erheblicher Einwand. Die Bauform als Sammelband führt zu stark schwankender Tiefe. Etliche Kapitel beschreiben konkrete Softwareoberflächen (CQG, Bloomberg-Layouts), was schnell altert.