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Source: Applying Elliott Wave Theory Profitably

Poser, Steven W. Applying Elliott Wave Theory Profitably. John Wiley & Sons, 2003. — Das einzige praxisorientierte EW-Handbuch, geschrieben nach 13 Jahren täglicher Anwendung im Prop-Desk-Umfeld bei Deutsche Bank.

Einordnung

Poser schließt die Lücke zwischen Frost/Prechter (Theorie) und der Realität des Trading-Alltags. Das Buch entstand aus einem konkreten Problem: bestehende EW-Literatur war entweder zu komplex oder zu simplistisch, um täglich nutzbar zu sein. Ergebnis: ein Anwender-Handbuch, kein Theoriebuch.

Key Takeaways

1. Die 7-Punkte-Checkliste — Posers Hauptbeitrag. Vor jeder Zählung Pflichtprüfung: (1) Alle 3 Grundregeln erfüllt? (2) Trendrichtung korrekt? (3) Nächsthöherer Grade berücksichtigt? (4) Volumen bestätigt? (5) Alternative formuliert? (6) Fibonacci-Levels passen? (7) Korrekturtyp korrekt? Mehr als zwei Punkte unklar = tentative Zählung, reduzierte Positionsgröße.

2. Volumen-Profile pro Welle — Welle 3 muss das höchste Volumen aller Impulswellen haben. Welle 5 mit fallendem Volumen vs. Welle 3 = Erschöpfungssignal. Korrekturen auf abnehmendem Volumen = gesund; steigendes Volumen in Korrekturen = Warnsignal für größere Struktur. Einschränkung: FX-Märkte ohne aggregiertes Volumen → offenes Interesse als Proxy.

3. Pflicht-Alternativzählung — Poser: Wenn jemand keine Alternative formulieren kann, ist die Primärzählung wahrscheinlich zu spezifisch oder zu komplex. Die Alternative bestimmt den Invalidierungspunkt der Primärzählung — und damit das Stop-Loss-Level. Ohne Alternative: Confirmation Bias, keine Analyse.

4. Mehrfache Zeitrahmen — Jede Zählung muss im Kontext des nächsthöheren Grades gelten. Mindestens zwei Zeitrahmen müssen konsistent sein. Isolierte Zählungen ohne Grade-Kontext sind wertlos.

5. Pragmatismus-Prinzip — „If you can't count it, it's a correction." Impulswellen sind intuitiv erkennbar. Wenn eine Zählung Verrenkungen braucht, ist sie falsch. Ziel: konsistente Regelanwendung, nicht perfekte Zählung.

6. Korrekturtypen als eigene Disziplin — Zigzag (5-3-5), Flat/Irregular (3-3-5), Triangle (3-3-3-3-3), Doppel- und Dreifach-Korrekturen (X-Wellen). Falscher Korrekturtyp = falsche Kursziele und Timing.

Einschränkungen

Poser schreibt für Einzelmärkte mit lesbarem Volumen. FX-Anwendung erfordert Proxy-Metriken. Das Buch stammt aus 2003 — Hochfrequenzhandel und ETF-Flows können historische Volumen-Profile verzerren.

Verbindung zu Johanns System

Posers Checkliste ist direkt in TRENDRADAR-EW-Analyse integrierbar: jede EW-Zählung durchläuft alle 7 Punkte vor Signalausgabe. Die Pflicht-Alternative erzwingt explizite Invalidierungspunkte — Stop-Loss nicht aus Bauchgefühl, sondern aus Struktur.