Zum Inhalt

Mean Reversion Strategie

"Buying markets which pullback is a superior strategy. The statistics throughout this book prove this out." — Connors & Alvarez (2009)

Das Kernprinzip

Kurzfristig übertriebene Preisbewegungen kehren zur Mitte zurück. Mean Reversion ist das Gegenteil von Trend Following:

Trend Following Mean Reversion
Einstieg Breakout / neues Hoch Pullback / neues Tief
Haltedauer Wochen–Monate 1–7 Tage
Stop-Loss Notwendig (Trailing) Schadet statistisch
Regime Alle Bevorzugt über 200MA
Oscillator Momentum-basiert RSI(2), CumRSI

Die 6 Connors-Regeln

Regel 1 — Pullbacks kaufen, nicht Breakouts

Backtest S&P 500 (1995–2007): - Kaufen bei 10-Tages-Hoch: −100 Punkte (41% korrekt) - Kaufen bei 10-Tages-Tief: +1048 Punkte (73.5% korrekt)

Grund: Beim Ausbruch reflektiert der Preis bereits alle positiven Informationen. Kein weiterer Aufwärtskatalysator vorhanden.

Regel 2 — Nach 3 Rückgängen kaufen

S&P 500 nach 3 aufeinanderfolgenden Rückgängen: erzielt in den nächsten 5 Tagen das 4-fache des normalen Wochengewinns.

Regel 3 — Nur über 200-Tage-MA

Mean Reversion funktioniert im Aufwärtstrend. Unter dem 200MA sind Aktien in einem strukturellen Abwärtstrend — dort entstehen Fallen (Value-Traps).

Regel 4 — VIX als dynamischer Timing-Indikator

VIX > 10-Tage-MA + 5%  →  kaufen (Angst schafft den Edge)
VIX < 10-Tage-MA − 5%  →  keine neuen Longs (Gier)

VIX ist kein statischer Indikator. Statische Niveaus (z.B. "VIX über 30 = kaufen") funktionieren nur temporär und kollabieren sobald das VIX-Regime wechselt.

Regel 5 — Stops schaden

Für Mean-Reversion-Strategien in Aktien und Indizes (empirisch belegt):

Stop-Level Avg Gewinn/Verlust % Korrekt
Kein Stop 0.58% 69.81%
1% Stop 0.19% 26.89%
5% Stop 0.20% 57.54%
50% Stop 0.56% 69.81%

Warum? Market Maker wissen wo Stops liegen und gunnen sie. Das Papier revertet danach — der Stop kostet den Gewinn. Ausnahme: Futures, Forex, Options (nicht getestet).

Regel 6 — Overnight, nicht Intraday

Alle S&P-Gewinne 1995–2007 entstanden overnight (Buy at Close, Sell at Open): - Overnight: +150+ SPY-Punkte - Intraday (Buy Open, Sell Close): −70.88 Punkte

Der Markt vergütet Overnight-Risikoübernahme — nicht Intraday-Trading.

2-Period RSI — Der Schlüssel-Oszillator

RSI(14) hat keinen messbaren Edge. RSI(2) ist der wirkungsvolle Kurzzeit-Oscillator.

Performance-Tabelle (Aktien über 200MA, 1995–2007, 8M+ Trades)

RSI(2)-Niveau 1-Tage Return 1-Woche Return
Benchmark (alle) +0.05% +0.25%
< 10 +0.49%
< 5 +0.62%
< 2 +0.21% +0.79%
< 1 +0.25% +0.93%
> 90 −0.07%
> 98 −0.04% −0.19%
> 99 −0.09% −0.29%

Gesetz: Je extremer der RSI(2), desto größer der Edge in beide Richtungen.

RSI(2)-Strategie auf S&P 500

1. S&P über 200-Tage-MA
2. RSI(2) < 5
3. Kaufen am Close
4. Exit wenn S&P über 5-Tage-MA schließt
→ 49 Signale (1995–2007), 83.6% korrekt, +522.92 SPX-Punkte, ~3 Tage Haltedauer

Cumulative RSI (CumRSI)

Laufende Summe der RSI(2)-Tageswerte. Mehrere übersold Tage in Folge = extremere Reversal-Chance.

Regeln (SPY):
1. SPY > 200-Tage-MA
2. Summe der letzten 2 Tages-RSI(2) < 35 (oder < 50 für mehr Signale)
3. Kaufen am Close
4. Exit wenn RSI(2) > 65 schließt
Parameter Trades % korrekt SPY-Punkte Marktzeit
CumRSI(2) < 35 50 88.0% +65.53 <15%
CumRSI(2) < 50 105 85.47% +105.95 <20%

Robust über: US-Indizes, ETFs, internationale Indizes, Einzelaktien.

Double 7's Strategie

Einfachstes System — 3 Regeln, 12 Jahre validiert:

1. SPY > 200-Tage-MA
2. SPY schließt bei 7-Tages-Tief → Long kaufen
3. SPY schließt bei 7-Tages-Hoch → Long verkaufen
Instrument Trades % korrekt Netto-Punkte
SPY (1993–2007) 153 80.4% +122.36
QQQQ (1999–2007) 68 79.4% +31.30

<25% Zeit im Markt, 100%+ der Buy-and-Hold-Gewinne.

Intraday-Erweiterung

Je mehr ein Titel intraday nach einem 10-Tages-Tief weiterfällt, desto besser die 5-Tage-Performance:

Intraday-Rückgang Avg 5-Tage-Gewinn % korrekt
0% (nur 10T-Tief) +0.61% 54%
5% weiter gefallen +1.97% 59%
10% weiter +4.35% 63%

Extremste Panik = größte Chance.

Exit-Systematik

Exit-Typ Avg P/L % korrekt
1 Tag halten 0.61% 56%
5 Tage halten 1.97% 59%
> MA5 2.65% 70%
> MA10 2.80% 69%
RSI(2) > 65 2.76% 70%
RSI(2) > 75 2.93% 69%

Empfehlung: Dynamische Exits (MA oder RSI) > Feste Zeithalter. Trailing Stops: kontraproduktiv.

Abgrenzung zu Trend Following

Mean Reversion und Trend Following sind komplementäre Systeme:

  • Mean Reversion (Connors): kurze Haltedauer, hohe Trefferquote, kleiner avg Gewinn
  • Trend Following (Clenow/Dennis): lange Haltedauer, niedrige Trefferquote (~30%), großer avg Gewinn

Beide nutzen den 200-Tage-MA als Regime-Filter (Long nur darüber). Der Unterschied liegt in der Eintrittsbedingung und Haltedauer.

Chan's Klassifikation: Time-Series-Mean-Reversion vs. Cross-Sectional-Momentum-Selektion — das ist dieselbe Unterscheidung auf einer anderen Ebene.