Beat the Market¶
Autoren: Edward O. Thorp und Sheen T. Kassouf | Jahr: 1967 | Verlag: Random House
Das Buch, in dem der quantitative Handel als Praxis beginnt — sechs Jahre vor Black-Scholes. Der Bestand enthielt bisher zwei Bücher über diese Geschichte (2026-07-25_thorp_man_for_all_markets als Autobiografie, 2026-07-25_poundstone_fortunes_formula als Chronik). Jetzt liegt die Quelle selbst vor.
Die Methode: der Warrant Hedge¶
Das Grundmuster ist einfach und wird an einem Zahlenbeispiel entwickelt: Ein Warrant berechtigt zum Kauf einer Aktie innerhalb von 18 Monaten; die Aktie steht bei 6, der Warrant bei 3. Man verkauft die Warrants leer und kauft gleichzeitig die Aktie in einem berechneten Verhältnis — die resultierende Position ist gegen Kursbewegungen weitgehend neutral und verdient an der Fehlbewertung.
Thorp und Kassouf sind darüber ausdrücklich bescheiden — und genau darin präzise:
„The basic system has been known since the 1930s as the warrant hedge. Incorrectly or incompletely analyzed until now, its full potentialities have gone unrecognized. In particular, previous writers did not have a method for accurately identifying overpriced warrants, and they failed to fully realize that the warrant hedge should in general be used only with overpriced warrants."
Der Beitrag ist also nicht die Idee, sondern die Bewertung: eine Methode, überteuerte Warrants zu identifizieren. Das ist der Kern jeder Arbitragestrategie und die direkte Vorstufe dessen, was später als Optionsbewertung formalisiert wurde. Siehe statistical_arbitrage und fundamental_bewertung.
Warum es funktionierte¶
Kassoufs Ergebnis steht im ersten Kapitel: Ab dem 5. Oktober 1961 eine Reihe von Investments, die über fünf Jahre durchschnittlich 25 Prozent jährlich erbrachten. Nicht durch Marktmeinung, sondern durch systematisches Ausnutzen von Preisbeziehungen.
Die Autoren warnen im selben Atemzug vor der Erwartungshaltung, die der Titel weckt: Es sei nicht so, dass man „breeze through this book and then shake the money from trees. This book needs to be studied."
Die technische Feinheit, die zählt¶
Ein Detail, das die Ernsthaftigkeit zeigt: Warrants, die nicht exakt in eine Aktie wandeln, rechnen die Autoren in „adjusted warrants" um — der Sperry-Rand-Warrant war nach Aktiendividenden in 1,08 Aktien wandelbar und damit 1,08 adjustierten Warrants gleich.
Solche Anpassungen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg einer Hedge-Ratio. Wer sie überspringt, hat keine marktneutrale Position, sondern eine unbeabsichtigte Richtungswette.
Einordnung¶
Damit schließt sich im Bestand ein Kreis: robert_levy prüfte 1968 relative Stärke gegen Zufall, Thorp und Kassouf handelten 1967 bereits Preisbeziehungen. Beide arbeiteten außerhalb der herrschenden Lehre, die zur selben Zeit die Random-Walk-Hypothese durchsetzte — und beide behielten empirisch recht.
Die Linie führt weiter zu jim_simons und der Frage, die aktiv_passiv_kostenarithmetik_synthese stellt: Was genau muss ein aktiver Ansatz haben, um die Kostenhürde zu überspringen? Thorps Antwort ist hier zum ersten Mal ausgeschrieben — einen messbaren Bewertungsvorteil bei einer Preisbeziehung, nicht eine bessere Marktmeinung.
Bewertung¶
Für wen: Wer wissen will, wie quantitativer Handel angefangen hat, und wer den Unterschied zwischen Marktmeinung und Preisbeziehungs-Arbitrage in seiner Urform lesen möchte.
Stärken: Die Selbstbeschränkung. Die Autoren behaupten nicht, den Markt zu prognostizieren — sie behaupten, eine bestimmte Fehlbewertung messen zu können. Und sie sagen offen, was vor ihnen fehlte.
Schwächen: 1967 — die beschriebenen Instrumente und Marktbedingungen existieren so nicht mehr, Warrants sind heute ein Nischenmarkt und die beschriebenen Fehlbewertungen sind längst wegarbitriert. Die Bewertungsmathematik ist vor-Black-Scholes und entsprechend umständlich. Als Handlungsanleitung wertlos, als Ursprungsdokument nicht zu ersetzen.
Links¶
- edward_thorp · sheen_kassouf — Entities
- 2026-07-25_thorp_man_for_all_markets — Thorps Rückblick auf dieselbe Zeit
- 2026-07-25_poundstone_fortunes_formula — die Chronik von außen
- statistical_arbitrage · kelly_kriterium — was daraus wurde
- kelly_edge_positionsgroesse_synthese · aktiv_passiv_kostenarithmetik_synthese — Synthesen
- quantitative_finance — Topic