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High Probability Trading Strategies

Autor: Robert C. Miner | Jahr: 2008 | Verlag: John Wiley & Sons

Ein Praxisbuch mit einer klaren Ordnungsidee: Nicht das Signal entscheidet, sondern die Übereinstimmung mehrerer Zeitrahmen. Miner baut daraus einen vollständigen Ablauf vom Einstieg bis zum Ausstieg, der ausdrücklich für jeden Markt und jeden Zeitrahmen gelten soll.

Kernthesen

  • Der Ansatz ist markt- und zeitrahmenunabhängig. Miners Anspruch, gleich im ersten Kapitel: dieselbe Logik für Forex, Futures und Aktien, auf jedem Zeitrahmen. Was sich ändert, sind die Parameter, nicht das Verfahren.
  • Die Bedingung entscheidet, nicht das Signal. Er sucht „conditions with a high probability outcome" — also Situationen, in denen mehrere unabhängige Faktoren in dieselbe Richtung zeigen, statt einzelner Indikatorauslöser.
  • Momentum über zwei Zeitrahmen ist der Kern. Die Dual-Time-Frame-Momentum-Strategie prüft den größeren Zeitrahmen auf Richtung und den kleineren auf Timing. Ein Einstieg gegen das übergeordnete Momentum entfällt.
  • Die meisten Preisindikatoren sind Rate-of-Change. Miner ist ungewöhnlich offen darüber, dass die Indikatorenvielfalt eine Vielfalt der Darstellung ist, nicht der Information — was die Kombination vieler Indikatoren als Scheindiversifikation entlarvt.
  • Divergenz zwischen Momentum und Preistrend ist Information, kein Fehler. Sie markiert die Stellen, an denen ein Trend seine Kraft verliert, ohne dass der Preis es schon zeigt.
  • Führende und nachlaufende Indikatoren gehören getrennt behandelt. Miner unterscheidet sie explizit und weist jeder Klasse eine eigene Rolle im Ablauf zu.

Aufbau

Teil eins entwickelt die Strategie für beliebige Märkte und Zeitrahmen: Mehrfachzeitrahmen-Momentum, dann Preis- und Zeitprojektionen, dann Muster. Die weiteren Teile führen das zu vollständigen Ein- und Ausstiegstaktiken zusammen — der Untertitel „Entry to Exit Tactics" ist wörtlich gemeint, das Buch endet nicht beim Signal.

Beigelegt war ursprünglich eine CD mit Beispielen; die Verdichtung stützt sich allein auf den Text.

Die Verbindung zum Bestand

Miner ist die praktische Umsetzung dessen, was momentum als Faktor beschreibt — allerdings auf Zeitreihen- statt auf Querschnittsebene, also näher an trend_following_prinzip als an einer Ranking-Strategie. Seine Zeitrahmen-Hierarchie ist dieselbe Denkfigur, die intermarket_analyse über Märkte hinweg anwendet: Bestätigung aus einer übergeordneten Ebene, Timing aus der untergeordneten.

Zur Preis- und Zeitprojektion arbeitet er mit Fibonacci-Verhältnissen — siehe fibonacci_analyse und fibonacci_cluster.

Bewertung

Für wen: Wer einen durchgehenden Ablauf sucht statt einer Sammlung von Setups. Besonders geeignet für den mittleren Zeitrahmen — siehe swing_trading.

Stärken: Die Zeitrahmen-Hierarchie ist eine der wenigen Strukturideen der technischen Literatur, die sich sauber begründen lässt: Sie reduziert die Zahl der Handelsgelegenheiten und erhöht damit die Selektivität, statt weitere Indikatoren zu addieren. Miners Offenheit darüber, dass die meisten Indikatoren dasselbe messen, ist selten.

Schwächen: Die behaupteten Trefferquoten sind an ausgewählten Beispielen illustriert, nicht systematisch getestet — es fehlt jede Out-of-Sample-Betrachtung. Siehe system_testing_overfitting. Der Anspruch „any market, any time frame" ist stark, aber unbelegt; gerade die Parameterwahl je Markt bleibt Ermessenssache. Und die Fibonacci-Projektionen tragen dieselbe Begründungslücke wie überall.