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Source: Beating the Street (Peter Lynch, 1993)

"Never invest in any idea you can't illustrate with a crayon." — Lynch (1993)

Peter Lynch — Fidelity Magellan Fund 1977–1990. Kernbotschaft: Amateur-Investoren können Profis schlagen, wenn sie systematisch in Unternehmen investieren, die sie verstehen.

Kernphilosophie: Invest in What You Know

Lynch argumentiert, dass Privatanleger strukturelle Vorteile gegenüber Fondsmanagern haben: - Sehen vielversprechende Produkte/Services früher (als Konsument) - Müssen keine Compliance-Regeln einhalten - Kennen ihren eigenen Berufssektor besser als jeder Analyst

Beweis: Siebtklässler der St. Agnes School (Boston) schlugen mit einem einfachen Portfolio professionelle Fondsmanager über 2 Jahre.

Aktien > Anleihen (Langfristprinzip)

1929–1993 Vergleich: - $100.000 in langfristigen Staatsanleihen: $1.6M - $100.000 in S&P 500: $25.5M

Peter's Principle #2: "Gentlemen who prefer bonds don't know what they're missing."

Die Sechs Aktien-Kategorien

Kategorie Merkmale Strategie
Slow Growers Reife Konzerne, stabile Dividende, ~2–4% Wachstum Halten für Dividende, nicht für Kursgewinn
Stalwarts Großunternehmen, ~10–12% p.a. (Coca-Cola, Philip Morris) 30–50% Gewinn mitnehmen, dann weitersuchen
Fast Growers Klein, aggressiv, 20–50%+ p.a. Kernrendite-Quelle; auf Ten-Bagger warten
Cyclicals Stahl, Chemie, Auto, Papier Timing entscheidend; P/E umgekehrt interpretieren
Turnarounds Sanierungsfälle, Insolvenz-Überlebende Hohes Risiko, hohes Potenzial bei korrekter Diagnose
Asset Plays Buchbuchwert > Marktkapitalisierung Stille Reserven (Immobilien, Rohstoffe, Cash)

PEG-Konzept (Implizit)

Lynch formuliert keine explizite "PEG Ratio" (das war Jim Slater), aber das Konzept ist identisch:

"A stock should sell at or below its growth rate — that is, the rate at which it increases its earnings every year."

P/E ≤ Wachstumsrate  →  günstig / kaufenswert
P/E > Wachstumsrate  →  teuer / extravagant

Beispiel Body Shop (1992): P/E = 42, Wachstumsrate = 30% → zu teuer.
Fannie Mae 1989: P/E = 10, Wachstumsrate = 15–20% → extrem günstig → 2.5× in einem Jahr.

Zykliker-Paradox

Bei Zyklikern ist P/E umgekehrt zu interpretieren: - Niedriges P/E bei Zyklikern = Gewinne noch hoch, aber Peak kommt → Warnsignal (Zeit zu verkaufen) - Hohes P/E bei Zyklikern = Gewinne noch niedrig, aber Erholung kommt → Kaufgelegenheit

Zusätzlich: Wenn Analysten und Medien "cyclicals are cheap" sagen → Vorsicht. Wenn alle pessimistisch → schauen.

Was Lynch analysiert (Balance Sheet Drill)

Kurzcheckliste vor dem Kauf: 1. EPS-Wachstum — konsistent steigend über 3–5 Jahre? 2. P/E vs. Wachstumsrate — PEG < 1? 3. Bilanzstärke — Schulden/Eigenkapital niedrig; Cashposition? 4. Story-Verständnis — kann ich das Geschäft mit einem Satz erklären? 5. Insider-Aktivität — Führungskräfte kaufen eigene Aktien? 6. Expansionspotenzial — wie viele "Köpfe" (Filialen, Standorte) können noch kommen? 7. Book Value — Marktpreis < Buchbuchwert? (Asset Play Check)

Sechsmonatlicher Portfolio-Checkup

Lynch empfiehlt regelmäßigen "Story-Check": Hat sich die ursprüngliche These geändert? - Geschäft verschlechtert? → Verkaufen, auch wenn Preis gestiegen - Geschäft unverändert + Preis gefallen? → Nachkaufen - Story über? (Expansion zu schnell, P/E zu hoch) → Aussteigen unabhängig von Preisentwicklung

21-Aktien-Analyse (1992 Barron's Roundtable)

Das Herzstück des Buches: Lynch dokumentiert seine Analyse von 21 Aktien step-by-step. Lehre: der Prozess ist wichtiger als das Ergebnis. Er zeigt explizit, was er sich anschaut, welche Fragen er stellt, und wie er Antworten bewertet.

Sektoren: S&Ls, Retailer (Body Shop, Pier 1), Zykliker (Phelps Dodge), Versorger (General Public Utilities), Restaurants (Spaghetti Warehouse), Hypothekeninstitute (Fannie Mae).

25 Goldene Regeln (Zusammenfassung)

  1. Investiere nur in was du verstehst und kennnst
  2. Aktien > Anleihen über jeden langen Zeitraum
  3. Erkläre jede Investition in einem Satz — wenn nicht möglich: nicht kaufen
  4. Sechsmonatlicher Checkup: hat sich die Story geändert?
  5. P/E ≤ Wachstumsrate als Basis-Bewertungsfilter
  6. Insider-Käufe = starkes Signal
  7. Einfaches Büro = Management denkt an Aktionäre (Principle #7)
  8. Rule of Five: ≥5 Aktien, einer wird immer Erwartungen sprengen