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Volatilitäts-Ausbruch

Nicht die Richtung ist das Signal, sondern die ungewöhnliche Größe der Bewegung.

Kernidee

Ein Volatilitäts-Ausbruch liegt vor, wenn der Kurs sich um ein Vielfaches der zuletzt üblichen Spanne bewegt. Die Schwelle wird aus der realisierten Volatilität abgeleitet — etwa als Bruchteil oder Vielfaches der average_true_range — und an den Eröffnungs- oder Schlusskurs angelegt.

Der Gedanke: Solange sich der Kurs innerhalb seiner normalen Spanne bewegt, geschieht nichts Berichtenswertes. Verlässt er sie deutlich, ist neue Information im Markt — und zwar unabhängig davon, welche.

larry_williams hält das nach eigener Prüfung für die konsistenteste mechanische Einstiegstechnik überhaupt.

Warum die Schwelle mitlaufen muss

Der entscheidende Konstruktionspunkt: Die Ausbruchsschwelle ist relativ, nicht absolut. Ein Ausbruch von zwei Dollar bedeutet in einem ruhigen Markt etwas anderes als in einem bewegten. Wer eine feste Punktzahl setzt, handelt in ruhigen Phasen zu oft und in bewegten zu selten.

Damit ist der Volatilitäts-Ausbruch die Einstiegsseite derselben Idee, die atr_volatility_stops auf der Ausstiegsseite und position_sizing auf der Größenseite umsetzt: Volatilität als gemeinsame Maßeinheit.

Verwandte Ausprägungen

  • Opening Range Breakout — die Schwelle wird aus der Eröffnungsspanne des Tages abgeleitet. mark_b_fisher baut daraus mit der ACD-Methode ein vollständiges Referenzsystem.
  • Donchian-Ausbruch — Ausbruch über das n-Tage-Hoch, die Turtle-Variante. Siehe donchian_channel und turtle_trading_system.
  • Spannen-Ausbruch nach Kontraktion — der Ausbruch nach einer Phase ungewöhnlich enger Spannen, gestützt auf das Volatilitäts-Clustering: Ruhe folgt auf Ruhe, bis sie es nicht mehr tut. Siehe volatilitaet.

Grenzen

  • Fehlausbrüche sind die Regel, nicht die Ausnahme. Die Technik erzeugt eine niedrige Trefferquote bei wenigen großen Gewinnern — die typische Trendfolge-Verteilung. Wer sie mit hoher Trefferquote erwartet, gibt sie nach kurzer Zeit auf.
  • Schwellenwahl ist Optimierungsfläche. Der Multiplikator ist ein freier Parameter, und über ihn kommt die Kurvenanpassung zurück ins System. Siehe system_testing_overfitting.
  • Kosten schlagen doppelt zu. Ausbrüche werden per Definition in schnellen Märkten gehandelt — Slippage ist dort am größten.
  • Regimeabhängig. In Seitwärtsphasen ist die Technik strukturell verlustbringend, was sie mit jedem Trendfolgeansatz teilt. Siehe trend_following_prinzip.