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Algo Trader's Toolkit

Autor: Kevin J. Davey | Jahr: 2015 | Verlag: KJ Trading Systems

Keine Monografie, sondern eine Sammlung kurzer Artikel aus Daveys Kolumnentätigkeit — thematisch geordnet, jeder Beitrag zwei bis drei Seiten. Der Wert liegt in der Themenwahl: Davey schreibt über die Fragen, die zwischen den Kapiteln der Lehrbücher liegen.

Die aufschlussreichsten Beiträge

  • „100 Percent Returns Per Year" — die Auseinandersetzung mit Renditeversprechen, von jemandem, der bei Handelswettbewerben tatsächlich dreistellige Jahresergebnisse erzielt hat und weiß, mit welchem Risiko das erkauft war.
  • „When to Stop Trading a System" — die Frage, die praktisch jedes Systembuch auslässt. Ein System hat keine Abbruchbedingung, wenn niemand sie vorher definiert. Siehe trading_plan.
  • „Walkforward Testing" — siehe walk_forward_analyse.
  • „The Two Percent Rule" und „Use Margin to Position Size?" — siehe money_management und position_sizing.
  • „The 90 Percent Club" und „Focus on the Negative" — die Auseinandersetzung mit Scheiterquoten und der Frage, warum man auf Verluste schauen sollte statt auf Gewinne.
  • „The Leverage Beast" — Hebel als das, was aus einem funktionierenden System ein gescheitertes macht.

Einordnung

Davey ist im Bestand die Stimme des Systemhändlers, der selbst handelt — anders als die akademischen Quellen und anders als die Lehrbuchautoren. Sein wiederkehrendes Thema ist die Lücke zwischen Backtest und Realität: Ein System, das im Test funktioniert, scheitert an Hebel, an fehlender Abbruchregel, an der eigenen Reaktion auf Drawdowns.

Damit ergänzt er 2026-07-26_krutsinger_trading_systems_masters (wie Systeme entstehen) und system_testing_overfitting (warum sie im Test besser aussehen) um die Frage, was danach passiert.

Bewertung

Für wen: Systemhändler, die die Praxisfragen suchen. Als Zwischendurchlektüre, nicht als Lehrbuch.

Stärken: Die Themenauswahl trifft die tatsächlichen Bruchstellen. Davey ist unpathetisch und benennt eigene Fehler.

Schwächen: Als Artikelsammlung ohne Aufbau — Wiederholungen, kein durchgehendes Argument, kaum Belege über Anekdoten hinaus. Rund 88.000 Zeichen, also ein schmaler Band. Wer Systematik sucht, findet sie hier nicht; wer Anregungen sucht, schon.