Technical Analysis and Stock Market Profits¶
Autor: Richard W. Schabacker | Jahr: 1932 | Verlag: Forbes Publishing
Das Ursprungswerk der Chartformationsanalyse. Schabacker, Finanzredakteur bei Forbes, systematisierte 1932 das, was bis dahin Erfahrungswissen einzelner Händler war — und legte damit das Fundament, auf dem Edwards & Magee, später 2026-07-26_murphy_technical_analysis_financial_markets und schließlich Bulkowskis statistische Auswertungen aufbauen.
Wer die Chartliteratur des Wikis liest, liest überwiegend Schabacker in späteren Fassungen.
Kernthesen¶
- Nutzen vor Erklärung. Schabackers methodische Grundhaltung, offen ausgesprochen: „We have always taken the attitude that it is much more important to discover and establish the practical uses of such formations than to explain why they act as they do." Er räumt ausdrücklich ein, dass die logischen Erklärungen mancher Formationen „rather indefinite and vague" bleiben — eine Ehrlichkeit, die spätere Chartliteratur oft vermissen lässt.
- Die Erklärung, wo es eine gibt, ist menschlich. „Such explanations, almost without exception, take us back to our fundamental basis of technical action — the human element of trading, the relative balance between buying and selling." Keine Geometrie, keine Zahlenmystik: Angebot, Nachfrage und Verhalten.
- Umkehrungen vollziehen sich allmählich. „Most reversals are accomplished gradually, by the slow overcoming of excessive buying power by growing selling pressure." Genau daraus folgt, warum Formationen überhaupt Zeit brauchen und warum ihre Größe zur Folgebewegung in Beziehung steht.
- Preis und Volumen sind untrennbar. Studie II behandelt beides durchgängig gemeinsam: „Price and Volume Must be Considered Together". Das Volumenverhalten ist bei Schabacker Bestandteil der Formationsdefinition, nicht deren Bestätigung im Nachhinein.
- Das Ziel ist Unabhängigkeit, nicht Abonnement. Aus dem Vorwort: „no man has ever, over any period of time, made and kept stock market profits unless he has developed the qualities of independent judgment and action." Das Werk ist ausdrücklich als Kurs für den Einzelnen konzipiert, „without the necessity of paying to others a continuing toll for statistical or advisory services".
Aufbau¶
Als Kurs in Studien gegliedert, nicht als Buch in Kapiteln:
- Studie I — technischer Ansatz: Chartdefinition, technisch gegen fundamental, Datenquellen, Konstruktion, Preis-, Volumen- und Zeitskalen, Haupt-, Zwischen- und Nebenbewegungen.
- Studie II — wichtige Umkehrformationen: Publikum gegen Insider, Erkennen professioneller Operationen, Volumensignale an Wendepunkten, Ein-Tages-Umkehr, die Kopf-Schulter-Formation in allen Varianten, Neck-Base-Line, Zuverlässigkeit, Logik der Chartmuster.
- Studie III — Fortsetzung: Rounding Turn, symmetrisches Dreieck als Umkehrformation, Ausbruchsverhalten, Vergleich früher und später Ausbrüche, Verhältnis von Bewegungsgröße zu Formationsgröße.
- Weitere Studien zu Fortsetzungsformationen, Trendlinien, Handelstaktik und Anwendung.
Was daran zuerst stand¶
Vieles, was heute als selbstverständlich gilt, ist hier zum ersten Mal systematisch formuliert: die Kopf-Schulter-Formation samt Volumenverlauf und Nackenlinie, die Unterscheidung von Haupt-, Zwischen- und Nebenbewegung, das Verhältnis von Formationsgröße zur erwarteten Folgebewegung, die Rolle des Volumens beim Ausbruch — und die Beobachtung, dass verfrühte und verspätete Ausbrüche unterschiedlich zuverlässig sind.
Bewertung¶
Für wen: Wer wissen will, woher die Chartanalyse kommt und was ihre Urheber selbst über ihre Grenzen dachten. Als Nachschlagewerk durch Murphy und Bulkowski ersetzt, als Quelle nicht.
Stärken: Die intellektuelle Redlichkeit. Schabacker behauptet keine Kausalität, wo er keine hat, und trennt sauber zwischen dem, was er beobachtet, und dem, was er sich erklären kann. Die Formationsbeschreibungen sind ungewöhnlich präzise, weil sie noch nicht durch Wiederholung in Sekundärliteratur verwässert sind.
Schwächen: 1932 — der Markt bestand aus Einzelaktien, gehandelt am Parkett, ohne Derivate, ohne elektronische Ausführung. Die Insider-Erzählung („personally directed campaigns by insiders") ist zeitgebunden. Und es fehlt jede Statistik: Die Zuverlässigkeit von Formationen wird behauptet und illustriert, nicht gemessen. Genau diese Lücke füllt Bulkowski sechzig Jahre später.
Links¶
- richard_schabacker — Entity
- chart_patterns — das Konzept, das hier entsteht
- chartformationen_von_1932_bis_heute_synthese — Synthese zur Entwicklungslinie
- 2026-07-26_murphy_technical_analysis_financial_markets — der Erbe in dritter Generation
- 2026-05-12_bulkowski_trading_classic_chart_patterns — die statistische Prüfung
- volumen_analyse · technische_analyse — Konzepte
- trading_technische_analyse — Topic