Trendqualifizierung¶
Die Frage ist nicht, ob ein Trend besteht. Sie ist, wie viel Vertrauen er verdient.
Kernidee¶
Die übliche Trendbestimmung ist binär: auf, ab oder seitwärts. la_little fügt eine zweite Dimension hinzu — die Belastbarkeit. Zwei Aufwärtstrends können auf dem Chart identisch aussehen und sich grundlegend unterscheiden:
- Der eine steigt auf hohem Volumen und korrigiert auf niedrigem — die Bewegung wird getragen.
- Der andere steigt auf niedrigem Volumen und korrigiert auf hohem — die Bewegung wird geduldet.
Beide erfüllen die formale Trenddefinition aus höheren Hochs und höheren Tiefs. Nur der erste verdient eine volle Position.
Warum das mehr ist als eine Nuance¶
Ein Trendsignal ist eine Ja/Nein-Aussage und zwingt damit zu einer Ja/Nein-Entscheidung. Eine Güteangabe ist eine stetige Größe — und stetige Größen gehören in die Positionsgröße, nicht in die Richtungsentscheidung.
Damit verbindet sich die Trendqualifizierung direkt mit money_management: Statt „handeln oder nicht" lautet die Frage „mit welchem Anteil des Risikobudgets". Dieselbe Denkfigur, die unit_of_risk_risikobudget auf Prozessebene formuliert.
Die Merkmale¶
- Volumenverhalten in Bewegung gegen Korrektur — das Hauptmerkmal. Siehe volumen_analyse.
- Swing-Point-Struktur. Littles formale Regeln machen aus der visuellen Trendschätzung einen reproduzierbaren Algorithmus — Classical und Neoclassical Trend Model.
- Verhalten an vorherigen Wendepunkten. Wie ein Trend die Marken der letzten Struktur überwindet, sagt mehr als der Umstand, dass er sie überwindet.
- Übereinstimmung über Zeitrahmen — Littles Trade Trend Matrix. Siehe mehrfachzeitrahmen_analyse.
Herkunft¶
Der Gedanke ist älter als der Begriff. john_murphy führt mit den Dow-Grundsätzen bereits die Forderung, dass Volumen den Trend bestätigen muss — Grundsatz 5 der Dow-Theorie. Und dass die Indizes einander bestätigen müssen (Grundsatz 4) ist Trendqualifizierung über eine zweite Datenquelle. Beide Grundsätze werden im modernen Gebrauch regelmäßig übergangen; Little macht daraus wieder ein Verfahren.
Abgrenzung¶
- Kein Ersatz für die Trendbestimmung, sondern deren zweite Stufe.
- Kein Ausstiegssignal. Ein Trend, der seine Qualität verliert, ist ein Grund, kleiner zu werden — nicht notwendig, ganz auszusteigen.
- Nicht systematisch belegt. Wie viel häufiger ein qualifizierter Trend hält als ein nicht qualifizierter, hat weder Little noch sonst jemand im Bestand ausgewertet. Siehe system_testing_overfitting.
Links¶
- la_little — der Systematisierer
- trend_following_prinzip — was qualifiziert wird
- volumen_analyse — das Hauptmerkmal
- john_murphy — die Dow-Wurzel
- money_management · unit_of_risk_risikobudget — wohin die Güteangabe führt
- mehrfachzeitrahmen_analyse — die Trade Trend Matrix
- trading_technische_analyse — Topic