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Relative Strength Index (RSI)

Wilders Oszillator aus New Concepts in Technical Trading Systems (1978) — Standard-Momentum-Indikator weltweit. Löst drei klassische Oszillator-Probleme: erratisches Verhalten an Limit-Tagen, unklare Y-Achsen-Skala, hoher Datenhunger.

Formel

RSI = 100 − 100 / (1 + RS)
RS  = Average Up Close (14d) / Average Down Close (14d)

Initialisierung über 14 Tage; danach Wilder-Smoothing:

Up_avg_heute   = (Up_avg_gestern   × 13 + Up_close_heute)   / 14
Down_avg_heute = (Down_avg_gestern × 13 + Down_close_heute) / 14

Up_close = max(0, C_heute − C_gestern); Down_close = max(0, C_gestern − C_heute). RSI ist auf 0–100 normalisiert und damit cross-Asset vergleichbar — eines von Wilders zentralen Designzielen.

Interpretation (Wilders Original)

  • RSI > 70 = überkauft, RSI < 30 = überverkauft
  • Failure Swing — Wilders primäres Reversal-Signal:
  • Top: RSI macht oberhalb 70 ein lokales Hoch, korrigiert ohne unter 70 zu fallen, durchbricht dann das Zwischentief → Trendwechsel-Bestätigung
  • Bottom: spiegelbildlich unter 30
  • Divergenz zwischen Preis und RSI als Schwächeindikator
  • Trendline auf RSI — Wilder zeichnet RSI-eigene Trendlinien als Frühindikator

Varianten und Erbe

  • Connors RSI(2) — Mean-Reversion-Strategie nutzt 2-Tage-RSI statt Wilder-Original; RSI(2) < 2 ergibt +0.79%/Woche auf SPX. Eine Adaption, kein Ersatz. Siehe mean_reversion_strategie
  • StochRSI (Chande/Kroll) — RSI nochmals stochastisch normalisiert
  • RSI in Kombination mit ADX — RSI als Timing-Trigger innerhalb des durch ADX gefilterten Regimes; siehe directional_movement_adx

Bedeutung

RSI ist neben MACD der meistgenutzte Oszillator. Wilders Wahl der 0–100-Skala wurde Standard. Die 14-Tage-Default ist Wilders ursprüngliche Wahl und blieb Default in praktisch allen Charting-Paketen.

Quellen