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Merger Arbitrage

Der Handel der Spanne zwischen aktuellem Kurs und angekündigtem Übernahmepreis. Trotz des Namens keine Arbitrage im engeren Sinn, sondern der Verkauf einer Versicherung gegen das Scheitern der Transaktion.

Die Mechanik

Nach Ankündigung einer Übernahme notiert die Zielaktie unter dem Angebotspreis. Die Differenz — der Spread — vergütet drei Dinge: die Zeit bis zum Abschluss, die Kapitalbindung und vor allem das Risiko, dass die Transaktion scheitert.

Bei Aktientauschangeboten kommt die Absicherung durch Leerverkauf des Erwerbers hinzu; bei Barangeboten entfällt sie.

Das Risikoprofil ist asymmetrisch

Das ist der entscheidende Punkt und der Grund für joel_greenblatts ausdrückliche Warnung an Privatanleger:

  • Gelingt die Transaktion: kleiner, im Voraus bekannter Gewinn (der Spread)
  • Scheitert sie: der Kurs fällt auf oder unter das Vor-Ankündigungsniveau — ein Vielfaches des Spreads

Viele kleine Gewinne, gelegentlich ein großer Verlust. Die Ertragskurve sieht deshalb über lange Strecken hervorragend aus und bricht selten, aber tief ein. Wer diese Struktur ohne Positionsgrößendisziplin handelt, ist strukturell fehlpositioniert — vgl. kelly_kriterium und skewness_asymmetrie.

Was den Spread erklärt

  • Regulatorisches Risiko — Kartellverfahren, Auslandsinvestitionsprüfung
  • Finanzierungsrisiko — besonders bei kreditfinanzierten Übernahmen
  • Aktionärszustimmung und mögliche Gegenangebote
  • Zeitdauer — je länger der erwartete Abschluss, desto größer der Spread bei gleichem Risiko

Ein ungewöhnlich breiter Spread ist kein Geschenk, sondern eine Aussage des Marktes über die Abschlusswahrscheinlichkeit.

Einordnung

Merger Arbitrage ist der am stärksten institutionalisierte Teil des special_situations-Feldes und entsprechend effizient bepreist. Der Ertrag ist real, aber es ist eine Risikoprämie und kein Marktfehler — was ihn in Stressphasen mit allen anderen Risikoprämien korrelieren lässt. Vgl. crowded_trades_korrelationsbruch.