DCF-Bewertung¶
Der Wert eines Vermögenswerts ist der Barwert der Zahlungen, die er erzeugt — alles Weitere ist die Frage, welche Zahlungen und welcher Zinssatz.
Kernidee¶
Discounted Cash Flow ist der intrinsische der drei Bewertungsansätze bei aswath_damodaran — neben relativer Bewertung über Multiples und Contingent-Claim-Bewertung über Optionspreismodelle. Die Mechanik ist trivial, die Schwierigkeit liegt vollständig in den Inputs.
Die zwei Ebenen¶
- Equity Valuation: Cashflows an das Eigenkapital — nach Aufwand, Reinvestition, Steuern sowie Zins und Tilgung — diskontiert mit den Eigenkapitalkosten. Das Dividend Discount Model ist der Spezialfall, in dem nur ausgeschüttete Beträge angesetzt werden.
- Firm Valuation: Cashflows an das Unternehmen — nach operativem Aufwand, Reinvestition und Steuern, aber vor allen Zahlungen an Fremd- und Eigenkapitalgeber — diskontiert mit dem WACC.
Bei konsistenten Annahmen führen beide zum selben Eigenkapitalwert.
Der teuerste Fehler¶
Cashflow und Diskontsatz zu vermischen. Damodarans Zahlenbeispiel: Werden Eigenkapital-Cashflows fälschlich mit dem WACC diskontiert, steigt der Eigenkapitalwert um 175 über den wahren Wert von 1.073. Werden Unternehmens-Cashflows mit den Eigenkapitalkosten diskontiert, wird der Unternehmenswert um 260 zu niedrig ausgewiesen.
APV als Alternative¶
Statt die Wirkung der Verschuldung im Diskontsatz zu verstecken, bewertet der Adjusted-Present-Value-Ansatz das Geschäft zunächst rein eigenkapitalfinanziert und setzt Steuervorteil der Verschuldung und erhöhtes Insolvenzrisiko separat an. Der Nettoeffekt der Verschuldung kann positiv, neutral oder negativ sein — APV macht ihn sichtbar statt implizit.
Excess Return statt Total Cash Flow¶
Nicht Gewinne schaffen Wert, sondern Gewinne über der geforderten Rendite. Excess-Return-Modelle (Damodaran Kap. 32, bei james_wahlen als Residual Income in Kap. 13) sind bei konsistenten Annahmen rechnerisch äquivalent zum Cashflow-Modell, machen die Werttreiber aber explizit — dieselbe Logik wie werttreiber_cashflow_kapitalkosten.
Wo DCF bricht¶
Damodaran benennt die Fälle einzeln, statt das Modell stumpf anzuwenden:
- Distressed Firms — negative Cashflows und Insolvenzwahrscheinlichkeit; das Modell unterstellt Fortführung.
- Zyklische Unternehmen — Glättung der Cashflows oder Prognose von Rezessionswendepunkten; die wirtschaftliche Grundhaltung des Analysten geht direkt in den Wert ein.
- Ungenutzte Assets — erzeugen keine Cashflows und fehlen im Barwert; extern bewerten und addieren.
- Patente und Produktoptionen — Optionspreismodelle statt Diskontierung.
- Restrukturierung, Übernahmen, Privatunternehmen — historische Daten verlieren ihre Aussagekraft; bei Privatunternehmen fehlt die Marktpreisbasis für die Risikoschätzung.
Abgrenzung¶
- Kein Präzisionsinstrument. Reife Unternehmen lassen sich genauer bewerten als Start-ups — aber gerade dort ist der Ertrag der Bewertungsarbeit am größten.
- Kein Komplexitätswettbewerb: „You do not use more inputs than you absolutely need to value an asset." Mehr Detail bringt mehr Schätzfehler mit.
- Multiples sind kein Gegenmodell, sondern verdichtete DCFs — siehe relative_bewertung_multiples.
Links¶
- aswath_damodaran — Entity
- 2026-07-25_damodaran_investment_valuation — Quelle
- relative_bewertung_multiples — der zweite Ansatz
- bewertungs_mythen_damodaran — die erkenntnistheoretische Kalibrierung
- werttreiber_cashflow_kapitalkosten — dieselbe Logik aus McKinsey-Perspektive
- fundamental_bewertung — übergeordnetes Konzept
- sechs_schritt_analyse — DCF als Schritt 6