John L. Kelly Jr.¶
Physiker bei den Bell Labs, Urheber des Kelly-Kriteriums (1956) — der Formel, die optimale Einsatzgröße aus Informationsvorsprung ableitet. 1923–1965.
Profil¶
Kelly arbeitete bei den Bell Laboratories im Umfeld von claude_shannon; edward_thorp beschreibt ihn als „the smartest person there, after Claude Shannon". Sein 1956 erschienener Aufsatz A New Interpretation of Information Rate übertrug Shannons Kanalkapazität auf das Problem des wiederholten Wettens.
Kernbeitrag¶
Kellys Einsicht: Der Wettende soll nicht den erwarteten Gewinn maximieren, sondern die geometrische Wachstumsrate — „he should measure success not in dollars but in percentage gain per race". Daraus folgt eine eindeutige optimale Einsatzquote: Vorteil geteilt durch Quote.
Die formale Entsprechung ist der eigentliche Fund: Dieselbe Mathematik, mit der sich Nachrichten über einen verrauschten Kanal nahe der Kapazitätsgrenze übertragen lassen, beschreibt die maximale Vermögenswachstumsrate ohne Ruinrisiko.
Einordnung¶
Kelly selbst hat die Formel nie zum Geldverdienen benutzt. Ihre Anwendung begann mit edward_thorp am Blackjack-Tisch und reicht bis in die Positionsgrößenlogik moderner systematischer Fonds — dort allerdings durchgehend mit Sicherheitsabschlag, weil Kelly geschätzte statt bekannte Wahrscheinlichkeiten nicht verzeiht.
Links¶
- kelly_kriterium — das Konzept
- claude_shannon, edward_thorp — Umfeld und Anwendung
- 2026-07-25_poundstone_fortunes_formula — Ideengeschichte