Zum Inhalt

COT-Report

Die seltene Marktinformation, die nicht aus dem Preis abgeleitet ist, sondern separat erhoben wird.

Kernidee

Der Commitments-of-Traders-Bericht der US-Aufsichtsbehörde CFTC weist wöchentlich aus, wie die Teilnehmer eines Futures-Marktes positioniert sind, aufgeteilt nach Gruppen. Er beantwortet damit eine Frage, die kein Chart beantworten kann: Wer hält gerade was?

Das macht ihn methodisch besser gestellt als die meisten technischen Signale — er ist keine Umformung des Kursverlaufs, sondern eine unabhängige Erhebung.

Die drei Gruppen

  • Commercials — Produzenten, Verarbeiter, Händler des zugrunde liegenden Guts. Sie handeln aus wirtschaftlicher Notwendigkeit und mit dem besten Wissen über physisches Angebot und physische Nachfrage. Die Referenzgruppe.
  • Large Traders (Non-Commercials) — große Spekulanten, überwiegend Fonds. larry_williams widmet ihnen ein eigenes Kapitel mit der Warnung, dass sie als Gruppe kein verlässliches Signal liefern.
  • Small Traders — die nicht meldepflichtigen Kleinpositionen.

Da jeder Kontrakt eine Long- und eine Short-Seite hat, ist die Aufstellung eine vollständige Bilanz: Was eine Gruppe hält, fehlt einer anderen. Siehe nullsummenspiel_handel.

Der COT-Index

Absolute Kontraktzahlen sind nicht interpretierbar, weil sie mit dem offenen Interesse schwanken. Der COT-Index normiert die aktuelle Nettoposition einer Gruppe auf ihre eigene Bandbreite über einen Rückblickzeitraum — üblich sind drei Jahre. Erst diese Normierung macht die Aussage „ungewöhnlich positioniert" überhaupt messbar.

Wie man ihn liest

  • Nur Extreme zählen. Steht der Index einer Gruppe am Rand ihrer historischen Bandbreite, ist das eine Aussage; alles dazwischen ist Rauschen. Dieselbe Bedingungsstruktur wie bei contrary_opinion.
  • Der Gruppe folgen, die informiert ist — nicht der, die groß ist.
  • Als Regime- und Gewichtungsebene, nicht als Auslöser. Extreme Positionierung sagt, dass eine Bewegung anfällig ist, nicht wann sie dreht.

Grenzen

  • Verzögerung. Der Bericht erscheint mit mehreren Tagen Abstand zum Stichtag.
  • Extreme können sich verlängern. Das Timing-Problem jeder Positionierungsanalyse.
  • Kategorien haben sich geändert. Die Klassifikation der Teilnehmer wurde nach 2005 mehrfach überarbeitet, was lange Zeitreihen nur bedingt vergleichbar macht.
  • Nur Futures. Für Aktien nur über Index-Futures verfügbar, nicht auf Einzeltitelebene.
  • Hedging verzerrt die Lesart. Eine Short-Position eines Produzenten ist keine Marktmeinung, sondern eine Absicherung — was die Interpretation der Commercials schwieriger macht, als die einfache Lesart nahelegt.