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Marktbreite

Der Index sagt, wohin das Geld geflossen ist. Die Breite sagt, wie viele Aktien daran beteiligt waren.

Kernidee

Ein kapitalgewichteter Index kann steigen, während die Mehrheit seiner Bestandteile fällt — es genügen wenige große Werte. Marktbreite misst deshalb nicht den Preis, sondern die Beteiligung: Wie viele Titel tragen eine Bewegung tatsächlich?

norman_fosback formulierte das Argument in seiner klarsten Form: Die Breite ist aussagekräftiger als der Indexstand allein, weil sie den inneren Zustand des Marktes offenlegt, den der Index verdeckt.

Die Kennzahlen

  • Advance/Decline-Linie — kumulierte Differenz aus steigenden und fallenden Titeln. Die Standardgröße; ihre Divergenz zum Index ist das klassische Warnsignal.
  • New Highs / New Lows — Zahl der Titel auf Jahreshoch gegen Jahrestief. Misst die Extreme statt der Tagesbewegung.
  • High Low Logic Index (Fosback) — Prozent neuer Hochs geteilt durch die Summe aus Prozent neuer Hochs und neuer Tiefs. Der Sonderfall ist der interessante: Sind beide gleichzeitig hoch, ist der Markt intern gespalten — ein Zustand, der historisch vor Wendepunkten auftrat.
  • Volumenbasierte Breite — Arms und andere gewichten Auf- und Abwärtsbewegungen zusätzlich mit dem gehandelten Volumen.

Der eigentliche Nutzen: Divergenz

Breite wird selten als Signal gehandelt, sondern als Bestätigung oder Warnung gelesen. Ein neues Indexhoch, das von einer fallenden A/D-Linie begleitet wird, sagt: Die Bewegung wird von immer weniger Titeln getragen. Historisch geht das Wendepunkten häufig voraus — aber mit stark schwankendem Vorlauf, oft über Monate.

Genau darin liegt die Grenze: Als Frühindikator ist die Breite zu früh, um sie zu handeln, und zu treffsicher, um sie zu ignorieren. Sie gehört auf die Regime-Ebene, nicht in den Entry.

Abgrenzung

  • Kein Timing-Werkzeug. Der Vorlauf ist variabel und in beide Richtungen dehnbar. Wer Divergenz als Einstiegssignal shortet, kann lange falsch liegen.
  • Indexabhängig. Breitenmaße für einen kapitalgewichteten Index mit wenigen dominanten Titeln sagen etwas anderes als für einen breiten Gleichgewichtungsindex — die Aussagekraft steht und fällt mit der Grundgesamtheit.
  • Nicht auf jede Anlageklasse übertragbar. Breite setzt eine große Zahl vergleichbarer Einzeltitel voraus.
  • Datenmining-anfällig. Wie bei saisonalitaet existieren dutzende Breitenindikatoren, von denen viele an derselben Historie kalibriert wurden. Siehe system_testing_overfitting.