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Elliott-Wellen: Vollständiges Praxis-Framework

Kernthese: Elliott-Wellen beschreiben das fraktale Muster kollektiver Marktpsychologie — 5 Impulswellen in Trendrichtung, 3 korrektive Wellen gegen den Trend. Fibonacci-Ratios sind nicht dekorativ, sondern die mathematische Grundlage der Zielprojektion. Praktische Anwendung erfordert strikte Regelprüfung vor jeder Zählung.


Die 3 Unverletzlichen Regeln (Frost & Prechter)

Keine gültige Elliott-Zählung darf auch nur eine dieser Regeln verletzen — bei Verletzung ist der Count falsch, nicht die Regel:

Regel Beschreibung Konsequenz bei Verletzung
Regel 1 Welle 2 retraciert niemals mehr als 100% von Welle 1 Keine Impulswelle — Zählung neu beginnen
Regel 2 Welle 3 ist niemals die kürzeste der Impulswellen (1, 3, 5) Ungültige Struktur — alternativen Count suchen
Regel 3 Welle 4 überlappt nie das Preisgebiet von Welle 1 Ausnahme: Diagonale Dreiecke (Ending/Leading)

Impulswellen-Struktur (5-Wellen)

                   (3)
                  /   \
                 /     \           (5)
                /       \         /
          (1) /           \(4)  /
         /   \             \/
        /     \
       /        (2)
      /
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Charakteristiken der Einzelwellen:

Welle Psychologie Typische Eigenschaften
1 Erste Erholung nach Bär Oft schwach, viele glauben Gegentrend-Rallye
2 "War doch falsch" Tiefes Retracement (61.8%), Volumen sinkt
3 Überzeugung kippt Stärkste + längste, Volumen steigt stark, Gaps
4 Gewinnmitnahmen Komplex, oft als Dreieck; überschneidet W1 nicht
5 Euphorie / Letzte Welle Divergenz in Momentum (RSI), schwächeres Volumen

Korrektive Strukturen (3-Wellen)

ABC Zickzack (5-3-5) — Schärfste Korrektur

Welle A: 5 Unterwellen hinunter
Welle B: 3 Unterwellen (retraciert max. 61.8% von A)
Welle C: 5 Unterwellen hinunter → meist = A oder 1.618×A

ABC Flat (3-3-5) — Seitwärtskorrektur

Welle A: 3 Unterwellen
Welle B: 3 Unterwellen (retraciert ~100% von A → neues Hoch/Tief)
Welle C: 5 Unterwellen → endet nahe dem Ende von A

Dreieck (3-3-3-3-3) — Kontraktion vor Ausbruch

5 überlappende Wellen (A-B-C-D-E) in konvergierenden Linien
→ Immer Welle 4 oder Welle B eines größeren Musters
→ Nach Abschluss: "Thrust" in Richtung des übergeordneten Trends
Thrust-Ziel ≈ breiteste Seite des Dreiecks

Fibonacci-Ratios für Wellenprojektionen

Retracements (Korrektive Wellen)

Welle Erwartetes Retracement Priorität
Welle 2 50%, 61.8% von Welle 1 Erstes Ziel
Welle 2 (tief) 78.6% von Welle 1 Noch valide, aber schwach
Welle 4 23.6%, 38.2% von Welle 3 Typisch flaches Retracement
Welle B 50–78.6% von Welle A Je nach Flat/Zickzack

Extensions (Impulswellen-Ziele)

Welle Fibonacci-Extension Ausgangspunkt
Welle 3 1.618 × Welle 1 Tiefpunkt Welle 2
Welle 3 2.618 × Welle 1 Stark trendige Märkte
Welle 5 = Welle 1 Häufig bei verlängerter W3
Welle 5 0.618 × (W1 + W3) Wenn W3 verlängert war
Welle C = Welle A Flat-Ziel
Welle C 1.618 × Welle A Zickzack-Ziel

Brown (Fibonacci Analysis): Fibonacci-Cluster — mehrere Ratios aus verschiedenen Wellen konvergieren auf einem Level — sind die stärksten Preisziele.


Grad-Hierarchie (Zeitebenen-Fraktalität)

Grand Supercycle   → Jahrhunderte
  Supercycle       → Jahrzehnte
    Cycle          → Jahre
      Primary      → Monate
        Intermediate → Wochen
          Minor    → Tage
            Minute → Stunden
              Minuette → Minuten

Praxis-Regel (Poser): Niemals auf weniger als 3 Zeitebenen gleichzeitig zählen. Der übergeordnete Grad bestimmt Richtungs-Bias; der mittlere Grad das Setup; der kleinste Grad den Einstiegs-Trigger.


Entscheidungs-Framework: Wann einsteigen?

ELLIOTT-WELLEN TRADE-PROTOKOLL
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SCHRITT 1: Zählung auf 3 Zeitebenen
   → Wo stehen wir im übergeordneten Cycle?
   → Welche Welle läuft gerade auf der Handelsebene?

SCHRITT 2: Regelprüfung (alle 3 Regeln ✓?)
   → Welle 2 < 100% von Welle 1?  JA / NEIN
   → Welle 3 ≠ kürzeste?          JA / NEIN
   → Welle 4 überschneidet W1?    NEIN / NEIN (= OK)
   Wenn eine NEIN → Count verwerfen, neu zählen

SCHRITT 3: Fibonacci-Bestätigung
   → Endpunkte der Wellen nahe an Fibonacci-Ratios?
   → Fibonacci-Cluster vorhanden?
   → Je mehr Übereinstimmungen, desto valider der Count

SCHRITT 4: Alternativzählung
   → Was wäre der beste alternative Count?
   → Welches Preis-Level würde Alternative bestätigen?
   → Wo ist der Invalidiierungspunkt für primären Count?

SCHRITT 5: Setup
   Optimale Einstiege:
   ├── Ende Welle 2 → long Beginn Welle 3 (stärkste Bewegung)
   ├── Ende Welle 4 → long Beginn Welle 5
   └── Ende Welle 5 (Divergenz) → Trendwende-Setup (ABC-Korrektur)

SCHRITT 6: Stop-Loss
   → Welle-2-Setup: Stop unter Beginn Welle 1
   → Welle-4-Setup: Stop unter Welle 1 (Regelgrenze)
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Die häufigsten Elliott-Fehler

Fehler Beschreibung Korrektiv
Retro-Bias Count sieht im Nachhinein immer klar aus Immer prospektiv labeln, nie nachträglich anpassen
Wunschzählung Man "sieht" die gewünschte Welle 3 Alternativzählung zwingend formulieren
Grad-Verwechslung Wellen verschiedener Ebenen gemischt Farb-Kodierung pro Zeitebene im Chart
Fehlende Alternative Nur ein Count ohne Invalidierungslevel Minimum 2 valide Counts + Scheide-Level
Verlängerungs-Blindheit Verlängerte 3. Welle als 5 gezählt Wenn "5. Welle" sehr stark → oft Welle 3 von 3

Konfluenz: Elliott + andere Werkzeuge

Momentum-Divergenz bei Welle 5: - RSI oder MACD bilden niedrigeres Hoch bei höherem Kurshoch (Bullish W5) - Pring: Chart-Muster-Abschlüsse häufig synchron mit Welle 5 - Frühwarnung für ABC-Korrektur

Volumen-Profil: - Welle 3: höchstes Volumen im gesamten Impulsmuster - Welle 5: abnehmend — institutionelle Verteilung - Welle 2 Rebound: deutlich niedrigeres Volumen als Welle 1 → bestätigt Korrektur-Charakter

Fibonacci-Cluster (Brown / Boroden):

Hochwahrscheinliches Ziel wenn:
→ Retracement W2 + Extension W1 + Fibonacci-Time-Zone
   alle auf demselben Level konvergieren
→ Cluster aus ≥3 Ratios = Prioritäts-Level


Praktische Stärken und Grenzen

Stärken: - Einziges System das sowohl Preisziel als auch Invalidierungslevel a priori definiert - Fibonacci-Ratios schaffen messbare Szenarien statt vager "Preis geht rauf" - Fraktalität ermöglicht Multi-Timeframe-Kohärenz

Grenzen: - Zählambiguität: In komplexen Märkten sind 3–5 valide Counts gleichzeitig möglich - Retroaktivität: "Every Elliott analyst has a different count" (Poser) - Diagonale Ausnahmen: Leading/Ending Diagonals brechen Regel 3 scheinbar - Flat-Erkennung: Welle B die 100% retraciert ist schwer von neuem Impuls zu unterscheiden - Alleinige Nutzung: Ohne Momentum-Konfluenz und Volumen keine ausreichende Grundlage


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