Capital in the Twenty-First Century¶
Piketty, Thomas — Capital in the Twenty-First Century (Harvard University Press, 2014; Original: Le capital au XXIe siècle, Seuil, 2013)
Kernthesen¶
- r > g: Die Rendite auf Kapital (r) übersteigt langfristig das Wirtschaftswachstum (g) — dadurch akkumuliert sich Vermögen bei denjenigen, die bereits Kapital besitzen.
- Ungleichheit ist nicht ein Marktversagen oder eine temporäre Erscheinung — sie ist die Grundtendenz des Kapitalismus ohne aktive Gegenkräfte.
- 200+ Jahre historische Daten (1700–2010, 20 Länder) belegen die Wiederkehr von Vermögenskonzentration nach dem kurzfristigen Einbruch durch Weltkriege.
- Die Ausnahmeperiode 1914–1970 war ein historischer Sonderfall, nicht die Norm.
Hauptbefunde¶
Kapital/Einkommen-Verhältnis¶
- 1700–1910: Verhältnis konstant bei ~600–700% in Europa.
- 1910–1950: Crash durch Kriege, Inflation, Kapitalsteuern.
- 1970–2010: Wiederanstieg auf 500–600% — Tendenz weiter aufwärts.
Einkommensungleichheit¶
- Top-1%-Anteil am Einkommen: In USA von ~10% (1970) auf >20% (2010).
- Kapitalerträge konzentrieren sich stärker als Arbeitseinkommen.
- "Supermanager"-Phänomen: extreme Lohnungleichheit als neue Komponente.
Politische Implikationen¶
- Piketty's Vorschlag: globale progressive Kapitalsteuer.
- Erbschaftsteuer als Gegengewicht zur Rentiergesellschaft.
Relevanz für Märkte¶
- Kein Trading-Buch — aber grundlegend für das Verständnis von Kapitalflüssen, Vermögenspreisen und politischem Risiko.
- Erklärt strukturellen Rückenwind für Assetpreise: Kapitalrendite schlägt Wirtschaftswachstum.
Zentrale Konzepte¶
- [[r_groesser_g]] — Kapitalrendite > Wirtschaftswachstum als Ungleichheitstreiber
- [[kapital_einkommens_verhaeltnis]] — Langfristiger Strukturindikator
- [[vermoegenkonzentration]] — Historische Muster der Akkumulation
Verwandte Quellen¶
- 2026-05-11_reinhart_rogoff_this_time_is_different — Historische Zyklen und Krisen
- 2026-05-11_ferguson_ascent_of_money — Geschichte von Kapital und Kredit