Bull!¶
Mahar, Maggie — Bull! A History of the Boom and Bust, 1982–2004 (HarperBusiness, 2003)
Kernthesen¶
- Der Bullenmarkt 1982–2000 war nicht natürlich — er wurde durch spezifische strukturelle, regulatorische und psychologische Faktoren aufgebaut und überdehnt.
- Wall Street hat aktiv an der Mythenbildung mitgewirkt: "Aktien performen langfristig immer" als Marketing-Slogan, nicht als Investitionswahrheit.
- Der Crash 2000–2002 war keine Überraschung — er war die logische Konsequenz einer durch Gier und Selbsttäuschung aufgeblasenen Bewertungsblase.
Historische Entwicklung¶
1982–1990: Die Grundlagen¶
- Volcker-Disinflation: Zinssenkungen als struktureller Rückenwind.
- 401(k)-Revolution: Massenzufluss von Retail-Kapital in Aktien.
- Mutual Fund Boom: Fonds als neues Volksprodukt.
1990–1998: Die Euphorie¶
- Dot-Com-Narrativ: Technologie als "new paradigm" — Bewertungen entkoppeln sich von Fundamentaldaten.
- CNBC als Katalysator: Echtzeit-Börsenberichterstattung normalisiert Daytrading und Spekulation.
- Wall Street Research: Analysten als Promotoren, nicht als unabhängige Bewerter.
1999–2000: Der Peak¶
- P/E-Ratios der S&P 500 auf historischen Rekordständen.
- IPO-Wahnsinn: Unternehmen ohne Gewinne mit Milliardenbewertungen.
- Alan Greenspan's "Irrational Exuberance" (1996) — ignoriert für vier weitere Jahre.
2000–2004: Der Crash und die Folgen¶
- Nasdaq -78% vom Hoch; S&P 500 -50%.
- Analysten-Skandale: Merrill Lynch, Jack Grubman, Henry Blodget.
- SOX (Sarbanes-Oxley) als regulatorische Antwort.
Zentrale Konzepte¶
- [[boom_bust_zyklen]] — Strukturelle Phasen von Akkumulation und Liquidation
- [[massenpsychologie]] — Gier und Selbsttäuschung als Markttreiber
- [[bewertung]] — P/E als Überhitzungsindikator
Verwandte Quellen¶
- [[2026-05-09_galbraith_great_crash_1929]] — Die Anatomie von Spekulationsblasen
- 2026-05-11_reinhart_rogoff_this_time_is_different — Krisenmuster in der Geschichte