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High-Frequency Trading

Wenn Geschwindigkeit selbst zum Vorteil wird, verändert sich nicht die Strategie, sondern die Marktstruktur.

Kernidee

HFT bezeichnet Handelsstrategien, deren Vorteil primär aus Latenz stammt — aus der Fähigkeit, Information Mikrosekunden früher zu verarbeiten und darauf zu reagieren als andere Marktteilnehmer. Der Edge liegt nicht in einer besseren Prognose, sondern in einer besseren Position in der Zeit.

Damit ist HFT weniger eine Strategiefamilie als eine Konsequenz der Marktstruktur: Sobald Handel elektronisch, fragmentiert über mehrere Handelsplätze und regulatorisch auf Bestpreisausführung verpflichtet ist, entsteht ein bezahlbarer Vorteil aus Nähe zur Matching-Engine. Co-Location ist keine Randerscheinung, sondern eine Marktinstitution geworden.

Die drei Strategietypen

  • Market Making — kontinuierliche Quotierung auf beiden Seiten; verdient den Spread und Rabatte der Handelsplätze. Der ökonomisch legitimste Fall: Liquiditätsprovision gegen Entgelt.
  • Latency Arbitrage — Ausnutzen von Preisunterschieden desselben Instruments zwischen Handelsplätzen, bevor der langsamere Platz nachzieht.
  • Statistical Arbitrage — kurzfristige Korrelations- und Mean-Reversion-Trades über große Querschnitte, in HFT-Geschwindigkeit ausgeführt.

Der Streitpunkt: Liquidität

Die Verteidigung lautet, HFT habe Spreads verengt und Liquidität erhöht. Der Einwand ist, dass diese Liquidität bedingt ist: Sie steht bereit, solange es ruhig ist, und verschwindet genau dann, wenn sie gebraucht wird. Der Flash Crash vom Mai 2010 ist der Referenzfall — Durbin verweist auf die Kirilenko-Untersuchung, nach der HFT den Schock durch Liquiditätsentzug verstärkte statt ihn abzufedern.

larry_harris liefert dazu den begrifflichen Rahmen: Liquidität ist kein Zustand, sondern die Bereitschaft bestimmter Akteure, die Gegenseite einzunehmen — und diese Bereitschaft hat Bedingungen.

Was daraus für den langsameren Marktteilnehmer folgt

  • Nicht um Geschwindigkeit konkurrieren. Der Wettlauf ist kapitalintensiv und für Außenstehende entschieden.
  • Ausführung wird zur eigenen Disziplin. Ordertyp, Handelsplatz und Ordergröße beeinflussen das Ergebnis messbar — der Bereich, in dem HFT den nicht-professionellen Teilnehmer tatsächlich trifft.
  • Kurzfristige Muster im Orderfluss sind kompromittiert. Klassisches Tape Reading liest heute teilweise Maschinen, die andere Maschinen adressieren — siehe tape_reading_hft_aera_synthese.
  • Längere Horizonte sind unberührt. Ein Vorteil aus Bewertung oder Regimeanalyse wird von Mikrosekunden nicht angegriffen.

Abgrenzung

  • Nicht identisch mit algorithmischem Handel. Jedes HFT ist algorithmisch, aber die meisten Algorithmen sind kein HFT — Ausführungsalgorithmen großer Adressen verfolgen das Gegenteil, nämlich Unauffälligkeit.
  • Nicht identisch mit Quant. Der Unterschied ist die Quelle des Vorteils: Modellqualität gegen Latenz.
  • Nicht identisch mit Dark Pools. dark_pools sind ein Handelsplatztyp, HFT eine Teilnehmerklasse — sie treffen sich, sind aber getrennte Phänomene.