The Future of Capitalism: Facing the New Anxieties¶
Autor: Paul Collier | Jahr: 2018 | Verlag: Harper Collins
Kernthesen¶
- Der westliche Kapitalismus produziert neue Spaltungslinien: Geografisch (Metropole vs. Provinz), Bildung (Akademiker vs. Arbeiter), Global (Gewinner vs. Verlierer)
- Die "neuen Ängste" sind politisch: Brexit, Trump, Rechtspopulismus sind Symptome einer systemischen Versagenserfahrung breiter Bevölkerungsschichten
- Kapitalismus braucht eine ethische Erneuerung — auf Ebene des Staates, der Firma, der Familie und des globalen Systems
- Der Utilitarismus (Maximierung des Gesamtnutzens) ist als einzige Grundlage für Politik unzureichend; Reziprozität und gemeinsame Verantwortung müssen ergänzen
- Collier plädiert für einen Dritten Weg: weder reinen Laissez-faire-Kapitalismus noch Staatssozialismus, sondern einen ethischen, inklusiven Kapitalismus
Methoden & Konzepte¶
- Geographische Divergenz: Warum Metropolen sich von Provinzen ökonomisch und kulturell abkoppeln
- Ethik der Reziprozität: Gegenseitige Verpflichtungen als gesellschaftlicher Kitt jenseits von Kontrakt und Utilität
- Ethischer Staat: Steuerrecht, Regulierung und öffentliche Güter als moralische Instrumente
- Ethische Firma: Mitarbeiterbindung, Langfristorientierung, Purpose über Profit
- Globale Governance: Warum globale Ungleichheit destabilisiert und welche Institutionen fehlen
Schlüsselzitate¶
"Deep rifts are tearing apart the fabric of our societies. They are bringing new anxieties and new anger to our people, and new passions to our politics."
"The less-educated, toiling provincial has replaced the working class as the revolutionary force in society."
Bewertung¶
Für wen: Makro-Investoren die politische Risiken und gesellschaftliche Trends verstehen wollen; Politikinteressierte; Leser von Piketty, Milanovic, Sandel
Stärken: Originell in der Verbindung von Ökonomie und Ethik; Oxford-Professor mit Entwicklungsland-Empirie; politisch ausgewogen zwischen Rechts und Links
Schwächen: Prescriptive ohne überzeugende Umsetzungsrezepte; "Dritter Weg" bleibt vage; Reziprozitäts-Philosophie schwierig zu operationalisieren