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Superforecasting — Philip Tetlock & Dan Gardner (2015)

Tetlock, Philip & Gardner, Dan. Superforecasting. Crown Publishers, 2015. — Tetlocks Good Judgment Project (GJP): Wer prognostiziert besser als Zufallswerfen, wer besser als CIA-Analysten, und wie? Die Antworten widersprechen dem Experten-Mythos.

Einordnung

Wichtige Ergänzung zu 2026-05-11_silver_signal_noise (Signal vs. Noise, Bayesianisches Denken) und 2026-05-10_kahneman_thinking_fast_and_slow (Kahneman zitiert Tetlocks Früherforschung). Das Buch baut auf Tetlocks "Expert Political Judgment" (2005) auf — wo er zeigte, dass Experten nicht besser prognostizieren als "Dart-werfende Affen". Superforecasting zeigt jetzt: Manche Menschen können wirklich gut prognostizieren.

Kernbotschaft

"Superforecasters are not geniuses. They have a particular style of thinking — fox-like, Bayesian, open to revision — and particular habits of mind."

Prognose-Erfolg ist erlernbar — aber es braucht spezifische Einstellungen und Praktiken, nicht nur Wissen.


Das Good Judgment Project (GJP)

  • IARPA-finanziertes Wettbewerbs-Prognose-Programm (2011–2015)
  • Fragen: Geopolitik, Wirtschaft, Internationale Beziehungen
  • Brier Score als Messmetrik (0 = perfekt, 2 = maximal schlecht, 1 = Münzwurf)
  • Ergebnis: Superforecasters übertreffen CIA-Analysten mit mehr Geheimdienstinformation

Wer sind Superforecasters?

Keine gemeinsamen Merkmale: - Nicht notwendig Hochschulabschluss - Nicht notwendig Area-Experten - Keine homogene demographische Gruppe

Gemeinsame Denk-Eigenschaften: - Fox (breites Wissen) > Hedgehog (tiefes Fachwissen) — nach Isaiah Berlin - Probabilistisches Denken (nie 0% oder 100%) - Perpetual Beta: ständige Offenheit zur Meinungsrevision - Aktive Informationssuche gegen eigene Überzeugungen - Außenperspektive vor Innenperspektive (Reference Class Forecasting)


Die 10 Commandments für Superforecasting

  1. Triage: nicht auf Unvorhersehbares verschwenden
  2. Außenperspektive zuerst (Base Rate)
  3. Innenperspektive mit Außenperspektive balancieren
  4. Suche nach Gegenargumenten
  5. Behandle Meinung als Hypothese, nicht Identität
  6. Bayesianisches Update bei neuer Information
  7. Lerne aus Fehlern (Calibration)
  8. Think in teams (superteams outperform superindividuals)
  9. Beachte Rückkopplungsschleifen
  10. Embrace the fox (Pluralismus > Monotheismus der Methode)

Prognose in der Praxis

  • Granularität: Sag 72% statt 70% — zeigt echte Kalibrierung
  • Zeitliche Updates: Prognosen regelmäßig revisieren wenn neue Evidenz kommt
  • Cluster-Setups: Superforecaster-Teams sind konsistent besser als Individuen
  • Außenperspektive: Wie haben sich ähnliche Situationen entwickelt? (Kahneman's "Reference Class")

Verbindungen